16 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
Häuſer der beiden Seiten auf, und wußte ganz genau, ob Jemand im zweiten, dritten oder vierten Stock am Fenſter geweſen.
Seine Freunde ſpotteten darüber und ſagten ihm lachend, er kokettire mit ſeinem tiefen Nachdenken, mit ſeinem gänzlichen Un⸗ bedachtlaſſen der ganzen übrigen Welt,— wenn aber an einer Straßenecke, ſei es auch auf Tauſend Schritte Entfernung, der lumpigſte Junge ſeine Mütze ſchwenke, ſo ſehe er das augenblicklich, halte es für eine Begrüßung und lüpfe reſpektvollſt den Hut.
Daß der Baron gerne grüßte, das läugnete er ſelbſt nicht.— —„Was wollt ihr?“ ſagte er,„ich bin einmal ein Menſch, der, das weiß ich ganz genau, keine glänzenden Eigenſchaften, keine überraſchenden Talente entwickeln kann; um aber nun etwas zu haben, das mich vielleicht vor vielen anderen Menſchen auszeichnet, ſo befleißige ich mich einer muſterhaften Höflichkeit und beſitze eine außerordentliche Artigkeit.“—„Und ein eigens für Sie erfunde⸗ nes Parfum,“ hatten die Freunde lachend hinzugeſetzt.— Worauf
der Baron ſehr wichtig erwiderte:„das iſt wahr— coeur de rose.“—
So ging er denn auch am heutigen Tage ſinnend dahin, ließ den Kaſtellplatz hinter ſich, ſah faſt immer auf den Boden und warf nur hie und da einen Blick auf die Vorübergehenden und auf die Häuſer zu beiden Seiten. Er durchſchritt mehrere Straßen, wandte ſich rechts, dann links und kam an einen auderen Platz der Re⸗ ſidenz, wo nämlich die eleganten und reichen Stadtviertel anfingen, deren zwei Hauptſtraßen hier zu beiden Seiten in eines der größten Kaffeehäuſer mündeten. Dieſem Café gegenüber lag ein ſtattliches Gebäude— die Polizeidirektion.
Mit einem einzigen Blick überſchaute der Baron den ziemlich großen Platz, als er in der Nähe des Café's wie immer anſcheinend gedankenlos ſchlendernd aus einer der Seitenſtraßen heraustrat. Ihm gegenüber mußte aber plötzlich Etwas erſcheinen, was ſeine ganze Aufmerkſamkeit feſſelte, denn er blieb mit einem Male ſtehen,


