Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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Jäger und Kammerjungfer. 15

Heute Morgen, wo der Froſt der letzten Tage von einem ſtar⸗ ken Tauwetter verdrängt worden war, wo es ziemlich heftig reg⸗ nete und der Schnee auf den Dächern mit außerordentlicher Ge⸗ ſchwindigkeit ſchmolz, ſtürzte das Waſſer in kleinen Fällen aus den ſeltſam geformten Dachrinnen hervor in jene Winkel hinab, um alsdann durch die erwähnte Oeffnung ſprudelnd und ſchäumend unter der Erde zu verſchwinden.

Der Baron ſchritt um das alte Kaſtell herum bis zur hinteren Seite, wo ſich zwiſchen einem Thurme und einem rieſenhaften Ka⸗ min der dunkelſte dieſer Winkel befand. Hier öffnete er behutſam Paletot und Rock, nahm das uns bekannte Petſchaft aus letzterem heraus und ließ es auf den Steinboden niederfallen, wo es als⸗ bald von der Fluth des Regen⸗ und Schneewaſſers in den Schoos der Erde hinab geſchwemmt wurde. Darauf lächelte er eigenthüm⸗ lich, knöpfte Rock und Paletot wieder zu, ſchob die Hände in die

Taſchen und verſchwand in einer engen Straße, die auf den Kaſtell⸗ platz mündete.

Zweiundzwanzigſtes Kapitel. Auf der Polizzeidirektion.

Der Baron hatte ſich eine ſeltſame Tournure angewöhnt; er ging nämlich, wenn er allein über die Straßen ſchritt, ſcheinbar in Gedanken vertieft, den Kopf etwas vorn über gebeugt, die Au⸗ gen vor ſich auf die Fußſpitzen geheftet. Wir ſagen, er ſah nur ſcheinbar ſo achtungslos aus, denn in Wirklichkeit bemerkte er Alles, was ihm begegnete, und wenn er hie und da ſein Auge leicht aufſchlug und um ſich ſchaute, ſo faßte er in einer Sekunde die