Einundzwanzigſtes Kapitel.
von deſſen Exiſtenz Sie gar keine Ahnung haben; eine ſtille Wittwe, die hie und da meine gewiſſen kleinen Privatangelegenheiten ar⸗ rangirt.— Aber jetzt geben Sie Ihren Ring her, mein Siegel⸗ lack iſt flüſſig.“
5„Armer Talisman!“ ſagte der Baron mit affektirter Weh⸗ muth, während er die Kette loshakte und den Ring ſeinem Be⸗ kannten darbot;„ein Abdruͤck von dir ſcheint mir da in ſchöne Hände zu kommen.— Coeur de rose! Das hätte ſich die reizende Griechin, die ihn mir verehrt, gewiß nicht träumen laſſen.“
Der Graf ſiegelte raſch und ſorgfältig das Billet, dann be⸗ trachtete er aufmerkſam die ſonderbaren, für ihn unleſerlichen Schriftzeichen und verſetzte:„ſo, der Abdruck iſt ſchön gelungen; meinen herzlichen Dank!— Jetzt muß ich aber eilen, ſonſt komme ich zu ſpät in's Schloß und das wäre entſetzlich.— Kann ich Sie mitnehmen?“
Der Baron ſann eine Sekunde nach.„Beſuch auf dem Kaſtell⸗ platz,“ murmelte er,„dann in der Königsſtraße, in der hohen und breiten Straße,— ja, ja, beſter Graf, ich nehme einen Sitz in Ihrem Wagen an! Sie laſſen mich an der Ecke des Kaſtellplatzes entſpringen.“
„Schön,“ erwiderte Graf Fohrbach;„gehen Sie nur voraus; ich folge in der Sekunde.“
Während nun der Baron in das Vorzimmer ging, ſich dort den Paletot anziehen ließ, einen dicken Cachemir um den Hals ſchlang, den Hut aufſetzte und nach dem Wagen ſchritt, eilte der Graf in ſein Arbeitskabinet, wo der Maler ſaß und ſagte dieſem: „Adieu, lieber Arthur, ich muß in den Dienſt. Bleiben Sie hier, ſo lange Sie wollen; Sie wiſſen, wo Cigarren und Pfeifen ſind. Aber wenn Sie fortgehen, erzeigen Sie mir, dem Freunde, eine Geſälligkeit. Werfen Sie dieſen Brief auf die Stadtpoſt, aber heute Morgen noch; es liegt mir Alles daran, daß er im Laufe des Tages an ſeine Adreſſe gelangt, beſonders aber, daß meine Die⸗


