Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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Jäger und Kammerjungfer. 11

Leihen Sie mir einen Augenblick Ihren Ring, um meinen Brief damit zuzuſiegeln, es iſt ja kein Wappen darauf. Alſo kann es Sie in keiner Weiſe kompromittiren, ſetzte er lachend hinzu.

Der Baron zuckte mit der Hand nach ſeiner Uhrkette und ſein gleichmüthiges, lächelndes Geſicht war im Begriff, einen ganz an⸗ deren Ausdruck anzunehmen. Wie aber ein geſchickter Equilibriſt ſich noch in dem Momente, wo er fallen will, kräftig und gewalt⸗ ſam in's Gleichgewicht hinein ſchwingt, ſo auch der Baron. Seine Finger, welche haſtig die Uhrkette wie um ſie zu verbergen, er⸗ greifen wollten, glitten jetzt leicht daran herunter und blieben an dem bewußten Ringe hängen.Ah! Sie wollen mit meinem Ta⸗ lisman ſiegeln, beſter Graf! ſagte er alsdann mit ſeinem gewöhn⸗ lichen freundlichen Lächeln.Nehmen Sie ſich in Acht; Sie wiſſen doch, daß dieſe myſteriös geſchnittenen Steine nur für den heil⸗ bringend ſind, der ſie beſitzt, und daß, wenn ſich ein Anderer der⸗ ſelben bedient, zum Beiſpiel wie Sie, lieber Graf, jetzt zum Siegeln, dies für den Empfänger von unangenehmen Folgen ſein kann!

Sind Sie denn wirklich abergläubiſch, Baron? fragte der Graf und hob eine Stange Siegellack an das brennende Licht, während er den Brief vor ſich hinlegte.Uebrigens, fuhr er lächelnd fort,iſt mir am Wohl und Wehe des Empfängers oder der Empfängerin nicht viel gelegen, und wenn alſo Ihre Befürch⸗ tungen wirklich wahr wären, ſo könnte es derjenigen, welche dieſen Brief erhält, am Ende nichts ſchaden, wenn dieſer Brief einige Dornen auf ihren Pfad ſtreute.

Coeur de rose! ſagte der Baron, indem er ſich höchſt ver⸗ wundert ſtellte,da führen Sie ja eigenthümliche Correſpondenzen. Ich will nicht hoffen, daß der Brief an Jemand aus der Geſell⸗ ſchaft geht!

Seien Sie ganz unbeſorgt, Baron! Glauben Sie denn, ich würde mich in dem Fall einer Ihrer Siegel bedienen? Ah! das wäre indiscret! Dieſes Schreiben geht an ein ganz obſcures Weſen,