Jäger und Kammerjungfer. 9
ſchaale und auf dem ganzen Tiſche nach dem Petſchaft geſucht. Er ſah den Kammerdiener an; dieſer zuckte die Achſeln.
„Wer hat das Zimmer heute Früh in Ordnung gebracht?“ fragte er mit heftigem Tone.
„Der Jäger, Euer Gnaden.“
„Wieder der Jäger!— Wann ſoll denn der Geſchichte ein⸗ mal ein Ende gemacht werden?“
„Es iſt eigenthümlich,“ ſprach der alte Mann,„der Menſch hatte ſo vortreffliche Empfehlungen und wie ſehr ich beſtändig aufgepaßt, ich habe nie etwas Unrechtes bemerkt.“
„Aber Sie werden mir nicht abläugnen können, daß ſeit einem halben Jahre, wo der Menſch in meinen Dienſten iſt, jeden Augen⸗ blick aus dieſem Salon etwas verſchwindet!“
„Leider!“
„Haben Sie ſonſt auf Jemand von den Leuten Verdacht, auf George vielleicht oder auf Karl?“
„Gott ſoll mich bewahren!“
„Nun, alſo bleibt's an dem Jäger hängen, und der Sache ſoll ein Ende gemacht werden; ich will's!“
„Aber, gnädigſter Herr, man kann ihm nichts beweiſen.“
„Das braucht's auch gar nicht; ich will gewiß nicht ſein Un⸗ glück; man zahlt ihm einen halbjährigen Lohn, ſagt ihm, er habe mir nicht convenirt und gibt ihm meinetwegen ein erträgliches Zeugniß.“.
Der alte Mann nickte mit dem Kopfe.
„Wie Sie ſelbſt ſagten, kann man ihm nichts beweiſen, alſo wollen wir auch ſeiner Zukunft nicht hinderlich ſein. Aber mir iſt es unheimlich, daß hier alle Augenblicke ſo was vorfällt.“
Der Graf hatte etwas heftig und laut geſprochen, während er ſich an dem Schreibtiſche im Salon niedergelaſſen, um beſſer in der Bronzeſchaale ſuchen zu können, ſo daß ſich ſogar der gleich⸗ müthige Baron veranlaßt ſah, aufzuſtehen und näher zu kommen.


