Teil eines Werkes 
17. Bd. (1856) Werke
Entstehung
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8 Einundzwanzigſtes Kapitel.

nen beſetzt war. Dieſes Petſchaft nahm der Baron geräuſchlos aus der Schaale fort, betrachtete es einen Augenblick, ſteckte es in die Taſche ſeines Rocks und ging dann ebenſo leiſe wie er gekommen, zu ſeinem Stuhle zurück, wo er ſich wieder hinſetzte, die Zeitung abermals in die Hand nahm, den Kopf, wie vorhin beſchrieben, rechts und links wandte, um alle Ecken des Salons zu beſichtigen, worauf dann plötzlich ſein Geſicht wieder jenen weichen und ſchlaf⸗ fen Ausdruck annahm, den wir bereits kennen.

Jetzt klingelte der Graf im Nebenzimmer und der alte Kam⸗ merdiener ging durch den Salon, kehrte aber gleich wieder dahin zurück, zündete eine Wachskerze an, nahm Siegellack und wühlte alsdann einige Augenblicke vergeblich in der Bronzeſchaale. Er ſchien überraſcht zu ſein, blickte im Zimmer umher, ging dann in's Nebenzimmer, wo er unter der Thüre ſtehen blieb und ſeinem Herrn einige Worte ſagte.

Mein Petſchaft muß da ſein, hörte man den Grafen ant⸗ worten;das kleine mit dem goldenen Griff, es liegt in der Bronzeſchaale.

Euer Gnaden verzeihen, entgegnete der Kammerdiener,es liegt nicht an ſeinem gewöhnlichen Platze.

Das müßte mit dem Teufel zugehen, erwiderte der Graf. Ich habe es geſtern Abend noch da geſehen.

Mit dieſen Worten trat er in den Salon, ein Briefchen in der Hand; der Kammerdiener folgte mit dem brennenden Lichte.

Jetzt bin ich vollkommen beruhigt hinſichtlich meines Odeurs, ſagte der Baron mit wichtigem Tone;jener Fabrikant nennt es Roſenſaft. Ich bitte Sie, Roſenſaft! Dabei fällt mir gleich ſo 'ne ſchmutzige Brühe ein. Ah! coeur de rose iſt eine ſchöne Er⸗ findung.

Gewiß, gewiß! entgegnete zerſtreut und einigermaßen ärger⸗ lich der Graf, denn er hatte ebenfalls vergeblich in der Bronze⸗