Zwanzigſtes Kapitel.
An dieſen Salon ſtieß, wie wir bereits wiſſen, das Arbeits⸗ zimmer des Grafen, ſowie Garderobe und Schlafgemach. In letz⸗ terem befand ſich der Hausherr; vor einem großen Spiegel ſtehend war er beſchäftigt, ſich anzuziehen. Die Thüre ins Arbeitszimmer ſtand offen, und hier bemerkte man den Maler Arthur, der an einem Fenſter ſaß, vor ſich ein weibliches Portrait hatte und im Begriffe war, von demſelben eine Copie in Aquarell zu machen.
Der Eingang in den Salon war verſchloſſen und es hing dieſſeits vor demſelben ein dicker perſiſcher Teppich herab.
Graf Fohrbach hatte ſeine Toilette ungefähr halb beendigt, und an ſeinen Stiefeln mit Sporen und an einem Beinkleid mit rothen Streifen bemerken wir, daß er im Begriff iſt, ſich in Uni⸗ form zu werfen. Der alte Kammerdiener ſtand mit dem ernſteſten Geſichte von der Welt neben ihm und reichte ihm die verſchiedenen nöthigen und unnöthigen Geräthſchaften, die das wichtige Geſchäft des Ankleidens erforderte. Jetzt hatte er eine kleine ſilberne Büchſe mit weißer Bartwichſe aufgeſchraubt, der Graf nahm etwas davon mit Daumen und Zeigefinger und drehte mit Hülfe dieſer wohl⸗ riechenden Maſſe ſeinen Schnurrbart keck in die Höhe, wobei er ſich nicht ohne Wohlgefallen im Spiegel beſah.
„Wenn man euch Herrn ſo bei der Toilette ſieht,“ rief der Maler aus dem Nebenzimmer,„ſo begreift man vollkommen, daß euch von der vielen Zeit, die ihr habt, doch ſo wenig übrig bleibt. Jetzt ſind Sie bereits eine halbe Stunde mit Ihrem Anzug be⸗ ſchäftigt und, wie ich ſehe, noch nicht übermäßig vorgerückt.“
„Der Anzug, mein Lieber, iſt eine wichtige Sache,“ gab der Graf zur Antwort,„namentlich wenn man, wie ich heute, den Dienſt hat. Ich verſichere Sie, da kommen eine ſolche Menge Leute ins Vorzimmer, die oft Stunden lang warten, Fremde, Herren vom Civil, Vorgeſetzte und Kameraden, und das fängt zu⸗ erſt an, die Wände zu beſehen, Plafond und Fußboden, und dann


