Toiletten⸗Geheimniſſe. 241 brunnen umſtanden, aus deſſen oberſter Etage ein Strahl empor ſprang, der, ſich in der Luft vertheilend, von Schaale zu Schaale mit melodiſchem Plätſchern zurück fiel. An vier Seiten dieſer Kuppel befanden ſich Volièren, deren gefiederte Bewohner, arme Sklaven, ſchon jetzt freudig ihre muntere Lieder ſangen, während draußen ihre freien Kameraden noch mit allen Mühen des Lebens, mit Hunger und Froſt, zu kämpfen hatten.
Jenſeits der Kuppel ſetzte ſich das Glashaus in gleicher Weiſe wie dieſſeits fort; dort befand ſich ebenfalls eine kleine Treppe mit Ruhebänken, Epheugewinden, mit Blüthen, Blumen, Schlingpflan⸗ zen und Marmorſtatuen; doch waren die Flügelthüren, welche in das Haus Seiner Excellenz führten, feſt verſchloſſen, ſowie die inwendigen Vorhänge herab gelaſſen.
Aus dem dieſſeits geöffneten Glashauſe drang in den Salon des jungen Grafen ein äußerſt angenehmer Duft; es ſtrich die duftige Atmoſphäre herüber, die in gut erhaltenen Glashäuſern herrſcht, jener nicht zu bezeichnende Geruch, beſtehend aus den verſchiedenſten zarten Dünſten, welche die Pflanzen aushauchen, wenn nach dem Beſpritzen mit friſchem Waſſer über die erquickten Blätter ſo langſam ein Tropfen nach dem andern herab rieſelt.
Im Salon des Grafen war es behaglich warm, ohne heiß zu ſein. Aus dem Glashauſe ſtrömte auch erwärmte Luft herein, und im Kamin ſpielte ein luſtiges Feuer. In der Nähe des letz⸗ teren ſtand ein großer runder Tiſch mit Geſchirren verſchiedener Art beladen, aus deren Unordnung man erſah, daß dort eben ge⸗ frühſtückt worden war; es befanden ſich hier zwei Couverts mit darüber hingeworfener Serviette und leeren Stühlen davor, wäh⸗ rend ein dritter Seſſel noch beſetzt war und zwar durch den Baron Brand, der behaglich in demſelben ausgeſtreckt war, von Zeit zu Zeit eine neben ihm ſtehende Chocoladetaſſe an den Mund brachte,
dazu eine Cigarre rauchte und in einem Journale las.
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