238 Neunzehntes Kapitel.
ſechszehn enggeſchriebene Seiten Franzöſiſch.— Wiſſen Sie was, Excellenz, ſagte ich ihm, vertrauen Sie mir die Depeſche eine halbe Stunde an, dann komme ich wieder und Sie ſollen mit dem Ham⸗ mer zufrieden ſein.— Und er gab ſie mir und eine halbe Stunde nachher brachte ich ihm ſeine Depeſche wieder und ſprach: Excellenz wollen die Gnade haben und mich gefälligſt überhören zu wollen. — Und das that er, und ich ſagte ihm die Depeſche her, alle ſechs⸗ zehn Seiten und irrte mich nur zweimal, indem ich Allerhöchſtdie⸗ ſelben ſagte, wo nur Höchſtdieſelben ſtand.“
„Brrrr!“ machte Schwindelmann. Die Anderen lächelten ver⸗ ſtohlen und Schellinger blickte melancholiſch im Kreiſe umher, als ſei er betrübt, daß man ihm den Rang abgelaufen. Dann ſchlich er zu dem Theaterdiener hin und ſagte ihm abermals:„nein, der Hammer übertreibt; was der Mann ſich das Lügen ange⸗ wöhnt hat!“
„So, nun ſind wir fertig!“ rief der erſte Maſchiniſt;„das dauert immer lange, bis das Haus leer iſt. Ja— a, ja—a, wenn ich mir denke, daß es hier einmal brennen könnte, das müßte ein fürchterliches Unglück geben.“
„Noch ſchlimmer als in C.,“ ſagte Schellinger,„denn da hatten ſie doch weite Treppen und Gänge, und Viele konnten ent⸗ fliehen; die da verbrannten, blieben ſitzen, weil ſie vor Schrecken wie erſtarrt waren.“
„Nein, nein,“ entgegnete Herr Wander, ſo iſt es nicht, Schellinger; der Rauch hat ſie gleich betäubt und erſtickt.“
„Vor Schrecken blieben ſie ſitzen,“ ſprach hartnäckig der Schnei⸗ der;„ich war dabei.“
„O Schellinger, wie kannſt du lügen!“ ſagte der erſte Ma⸗ ſchiniſt.„Haben wir nicht an dem Abend zuſammen hier geſtan⸗ den, gerade wie heute?“ 4
„Ja, ja, es iſt möglich,“ entgegnete traurig der Garderobe⸗ gehülfe;„aber es iſt doch wahr, daß ſie vor Schrecken geſtorben


