Richard und Marie. 237
Das Reſultat dieſer Erzählung war, daß er während des drit⸗ ten Aktes den Garderobegehülfen auf die Seite nahm und ein längeres Geſpräch mit ihm hielt, worauf er von ihm zurück hinter die achte Couliſſe trat, wo diesmal der erſte Maſchiniſt ſelbſt, der Herr Hammer Vater, die Converſation leitete und von ſeinen Kriegsthaten erzählte.
Der alte Schellinger hatte ſich indeſſen auch bald wieder näher geſchlichen; er zuckte oftmals die Achſeln, wenn der Andere irgend etwas beſonders Seltſames vorbrachte, ſchüttelte bedeutſam den Kopf und flüſterte auch wohl dem Schwindelmann zu:„ich ver⸗ ſichere dich, er lügt fürchterlich!“
Bald ging die Oper zu Ende, der Vorhang fiel für heute Abend zum letzten Male, wurde dann langſam wieder empor ge⸗ zogen, nachdem die Zuſchauermenge faſt das Haus verlaſſen. An den Eingangsthüren wogten und drängten noch die letzten Maſſen und in den Gängen ſah man noch Kopf an Kopf.
Richard, der heute Abend gar keine Eile zu haben ſchien, be⸗ fand ſich auf der halb dunkeln Bühne und neben ihm ſtand Schel⸗ linger, während etwas rückwärts Herr Hammer einigen der Zim⸗ merleute und Maſchiniſten noch eine merkwürdige Geſchichte erzählte.
„Ja- a, ja—a,“ ſagte er,„das habe ich noch vergeſſen, wie es damals in dem Kriege bei uns zuging. Als mich eines Tags der ſelige Bernadotte zu ſich kommen ließ und mir eine Depeſche auftrug— es handelt ſich vom Auswendiglernen und ich erzähle euch das nur, weil heutigen Tages unſere Schauſpieler ſo viel Weſens daraus machen, wenn ſie einmal in ein paar Tagen eine lumpige Rolle memoriren müſſen,— Hammer, ſagte Bernadotte zu mir, hier iſt eine Depeſche an Napoleon. Haſt du wohl Courage, ſie durch die feindliche Armee an den Kaiſer zu briugen? Wenn ſie dich aber damit erwiſchen, ſo ſchießen ſie dich todt.— Iſt denn der Inhalt ſo gefährlich, Excellenz? fragte ich.— Sehr wichtig und gefährlich, entgegnete er und zeigte ſie mir. Das waren


