236 Neunzehntes Kapitel.
mal,— da fällt mir eben ein, in dem Hauſe, wo der alte Schel⸗ linger wohnt— du kennſt ihn doch, unſern armen Freund, da hinten ſteht er,— da ſoll ſich ſo was befinden.“
„So wollen wir hin und ihn fragen.“
„Das wäre ſehr unklug; bei dir hätte es am Ende nichts zu ſagen, aber ich könnte mich in ein ſchönes Licht bringen,“ entgeg⸗ nete Thereſe ſonderbar lächelnd.„Nein, nein, das müſſen wir ge⸗ ſcheidter anfangen. Ich traue in dem Punkt dem alten Fuchſen nicht recht, wir müſſen Jemand an ihn abſchicken, der ihn vorſich⸗ tig ausholt.“
„Du haſt Recht, Thereſe,“ verſetzte das junge Mädchen.„Aber wem ſagen wir es?“
Die Andere zuckte die Achſeln und antwortete nach einigem Nachdenken:„das iſt für mich eine unangenehme Commiſſion; wenn ich es auch Einem ſage, ſo machen ſie ihre ſchlechten Witze; und ich haſſe das.“
„Ich weiß ſchon, was ich thue,“ ſagte eifrig Marie.„Ich er⸗ zähle die ganze Geſchichte dem Zimmermann Richard, der ſoll mit dem Schellinger ſprechen.“
„So, dem Richard erzählſt du es, mein Schätzchen?“ entgeg⸗ nete die andere Tänzerin lachend.„Ah! das iſt dein Vertrauter! Ja, ja, man treibt ſo allerlei, wenn man mich ſucht und ſich dann erſt ungeheuer lange hinter dem letzten Vorhange aufhält.— Nun, erſchrick nur nicht; du brauchſt dich deſſen nicht zu ſchämen, und wenn er es gut mit dir meint, was ich hoffe und glaube, ſo greif⸗ zu, und wie ich ſchon früher geſagt, nimm dich zu Hauſe doppelt in Acht.— Aber jetzt geh' und ſprich mit Richard darüber, erzähle ihm offen die ganze Geſchichte, wie du mir ſo eben gethan.“
Dieſen Rath befolgte denn auch Marie, und man kann ſich leicht denken, daß ſich der Zimmermann von der Tänzerin gerne hinter eine Couliſſe führen und ſie da unter vielen Neckereien die traurige Geſchichte vortragen ließ.


