Richard und Marie. 23³3
ſagte er nun ſcheinbar ungeduldig,„und ich weiß noch nicht ein⸗ mal, woran ich bin. Gleich muß ich hinüber zum Verwandeln, deßhalb ſage mir, wie du es meinſt, einfach Ja oder Nein. Wenn du Ja ſagſt, ſo iſt die Sache abgemacht und ich komme dann nächſtens zu deinem alten Drachen, um mit ihr ein ernſtes Wort zu reden.— Nun?— Wenn du aber Ja geſagt, ſo habe ich ein Recht auf dich wie du auf mich, und dann, Marie, nimm dich in Acht und ſtelle dich ſo, daß die böſeſten Leute nur Gutes von dir ſagen können; denn wenn mir einmal Einer her käme und ſo allerlei ſchlechtes Zeug in die Ohren ziſchelte, da gäb's ein Unglück, das kann ich dich verſichern.— Nun, wie iſt’'s?“
„Ja— ja!“ ſagte die Tänzerin, nachdem ſie ihre beiden Hände zurückgezogen;„ich mag dich wohl leiden, Richard; und was das Andere anbelangt, da kannſt du ganz ruhig ſein. Du weißt, wie mir das Treiben ſo vieler junger Mädchen verhaßt iſt.“
„Amen!“ ſprach er, indem er ihre rechte Hand ergriff und ſie ſchüttelte.„Wenn es nicht ſo ſtrenge gegen das Theaterreglement ginge, dann müßteſt du mir einen Kuß geben; aber ich hole mir ihn ſpäter nach; wenn du an deinem Kanale ausſteigſt, wirſt du mich ſchon ſehen.— Adieu, Marie!“
Damit ging er an ſein Tau zurück, während die Tänzerin über die Bühne hinüber flog und ſich an einem einſamen Plätzchen auf eine Raſenbank unter einer Gruppe von gemalten Palmbäumen niederließ. Warum ſie hier ihre Hände faltete und eine Zeit lang heftig weinte, wußte ſie nicht. Aber endlich erſchrak ſie, daß ſie es gethan, denn ſie dachte an ihre rothe Schminke, und als ſie er⸗ ſchrocken auf ihren Buſen ſah, bemerkte ſie auf dem hellgrünen Atlas große dunkle Flecken.
Bald waren dieſe Schäden übrigens wieder vertilgt; Clara hatte ihr geholfen, ſich auf's Neue zu ſchminken und dabei einen. Theil des ſüßen Geheimniſſes erfahren. Clara war hiedurch eben⸗


