Richard und Marie. 225
dem kleinſten Applaus, iſt in beſtändiger Furcht, ihre Tochter möchte irgend ein Unglück haben, einen Fehltritt thun, kurz, iſt das rührende Bild einer jener unglückſeligen Hennen, die zufälliger Weiſe ſtatt Hühnern Enten ausgebrütet und die nun verzweiflungs⸗ voll am Ufer des Teiches zurück bleiben müſſen, während jene in dem gefährlichen Element luſtig umher plätſchern.
Auch die Tänzerinnen erſcheinen im Zwiſchenakte, leicht geſchürzt, kurz geröckt, mit feinen Knöcheln und ſehr ſtarken Waden, und drängen ſich eifrig um den großen Portalvorhang, deſſen beide Oeff⸗ nungen beſtändig von einem nengierigen Auge benützt werden. Man ſieht, ob dieſer oder jener Platz beſetzt iſt; man gibt ſich kleine Zeichen und tritt endlich ſeine Stelle ſchmollend einer An⸗ deren ab.
Nachdem das wichtige Geſchäft des Hinausſehens beendigt, umgaukelt die Sylphidenſchaar den Intendanten, der ruhig und groß in dieſer Brandung ſtehen bleibt, ein unerbittlicher und hier wenigſtens unerſchütterlicher Fels. Da naht ſich eine von ihnen tänzelnd und ſchwänzelnd, die Hände auf die Hüften geſtützt, mit hin und her wiegendem Oberkörper, und trägt keck eine Bitte vor um Urlaub, Zulage, von der ſie übrigens zum Voraus weiß, daß ſie nicht bewilligt wird. Dort pirouettirt eine aus der Couliſſe in raſendem Umdrehen und ſteht endlich vor dem Beherrſcher dieſer Bretter mit einem großen Applomb ſtill, indem ſie erſchreckt thut, als habe ſie ihn jetzt erſt geſehen.
Auch junge Schauſpieler treiben ſich in dem Zwiſchenact auf der Bühne umher, ſchauen ebenfalls gelegentlich durch den Vorhang, ſprechen mit Sängerinnen nnd Tänzerinnen, machen dem Inten⸗ danten eine tiefe Verbeugung, des Winks gewärtig, wo er die Gnade haben wird, ſich zu erinnern daß ſie ebenfalls auf der Welt ſind. Auch würdige alte Männer ſtehen da, ruhig und groß; der Regiſ⸗
ſeur im dicken Paletot und großen Filzſchuhen, grämlich und ver⸗ Hackländers Werke. XVI. 15


