Hinter der achten Couliſſe. 223
„So iſt es,“ entgegnete der Schneider, indem er ſich ruhig er⸗ hob, denn auch ſeine Zeit war gekommen, in die Garderobe zu gehen.„Die Negerkinder kommen weiß auf die Welt, aber ſie ha⸗ ben um den Bauchnabel einen kleinen ſchwarzen Ring, der immer größer und größer wird, bis ſie zuletzt vollkommene Neger ſind.“
Nach dieſen Worten legte Herr Schellinger ſeine beiden Hände auf den Rücken und ging geſenkten Hauptes ruhig davon, ohne ſich weiter um ſeine Zuhörerſchaft zu bekümmern, die aber auch im nächſten Augenblick aus einander ſtob; Jeder eilte an ſeinen Poſten und Schwindelmann ließ den großen Portalvorhang herab.
Neunzehntes Kapitel. Richard und Marie.
Der Zwiſchenakt auf einem großen Theater bietet wieder ein ganz anderes belebtes und nicht minder intereſſantes Bild dar, als das Treiben hinter den Couliſſen. Dort befindet ſich nun Niemand, als die Arbeiter, welche neue Couliſſen aufhängen, Verſatzſtücke heran tragen,„aus dem Wege!“ rufen, dort plötzlich ſtehen bleiben, wenn ihnen ein Vorgeſetzter des Theaters in den Weg kommt, hier Einen der niederen Völker, der nicht ſchnell genug ausweicht, un⸗ ſauft auf die Seite ſtoßen. Alles Andere ſtrömt auf der halbdun⸗ keln Bühne zuſammen, wo ſich auch gewöhnlich der Intendant ein⸗ findet, ſeine kleinen Andienzen ertheilt, ſowie Tadel und Lob ſpen⸗ det. Die erſten Künſtlerinnen ſind in die Garderoben geeilt, nach⸗ dem ihnen vorher die Sängerin⸗Mutter vor einer der Couliſſen einen warmen Shawl umgeworfen.


