222 Achtzehntes Kapitel.
„Ihr ſeid ſo verwildert, daß man euch gar nichts Vernünftiges mehr erzählen kann, und ich bin einmal ſo ein Narr nnd kann es nicht laſſen, an jene Zeit, welche die glücklichſte meines Lebens war, zurück zu denken. Ich verſichere euch, wenn man hier unſere miſerable Kälte annimmt, ſo iſt es eine wahre Wonne, da mit den Negern ſo ſtill und friedlich zu leben, unter den Palmbäumen zu ſitzen und reife Orangen zu verſpeiſen. So ein Negerdorf hat et⸗ was ſehr Angenehmes, und ſie wohnen ganz charmant. Na! ihr habt das ja in der Beſchreibung geleſen; auch eſſen ſie vortreffliche Kuchen, trinken Dattelwein und ſingen dazu:„noch iſt Polen nicht verloren.“ Das kann ich euch verſichern— Gott ſtraf' mich!— an das lumpige Leben hier zu Land habe ich nicht mehr gedacht, wenn ich ſo Abends mit ihnen vor ihren Hütten auf der feinen Matte lag, neben ſo einem behaglichen Schwarzen; die Weiber ſaßen daneben und vor ihnen im Graſe ſpielten die weißen Kinder.“
„Die weißen Kinder, Schellinger?“
„Die weißen Kinder!“ entgegnete nachdrücklich der Schneider. „Wißt ihr denn nicht, weßhalb die Schwarzen ſo ſchwarz ſind?— Nun, das will ich euch ſagen. Die Sonne hat eine ſo furchtbare Kraft, daß ſie einen dort in fünf, ſechs Jahren ganz ſchwarz brennt.“
„Du biſt aber weiß geblieben, Schellinger!“
„Ja, ich hatte keine Anlage zum Schwarzwerden,“ erwi⸗ derte der Garderobegehülfe;„man muß dazu geſtimmt ſein wie die Neger—“
„Aber, Schellinger—“ wollte Richard fortfahren ihn zu exa⸗ miniren.
„Laßt ihn doch,“ rief Schwindelmann,„daß wir fertig wer⸗ den; draußen der Herzog hat ſchon ſeinen Degen gezogen und wird im nächſten Augenblick ſeinen Freund erſtechen, dann fällt der Vorhang.— Alſo die Negerkinder kommen weiß auf die Welt?“
„Und mit einer Anlage zum Schwarzwerden?“ fragte Richard lachend.


