Hinter der achten Couliſſe. 221
lich nicht mehr, aber er iſt nicht ſchwer zu finden, denn er heißt Müller.“
„Was machen ſie draußen auf der Bühne?“ fragte der erſte Maſchiniſt ſeinen Sohn.„Haben wir bald Actus?“
„O nein, es ſind noch vier lange Scenen. Der Schellinger kann ſchon noch ſeine Geſchichten zu Ende bringen.— Alſo die Stowe iſt nicht die Verfaſſerin von dem bekannten Buch?“
Der Schneider ſchüttelte mit dem Kopfe, rieb ſich die Hände und blickte, ſeit längerer Zeit zum erſten Mal, in die Höhe, als er mit großer Beſtimmtheit ſagte:„die Frau denkt nicht daran; das iſt ein braves Weib, die ihre Hühner und Gänſe füttert, ihren Kindern die Strümpfe ſtoppt und ihre Wäſche pünktlich beſorgt, viel zu pünktlich— die ſchreibt keine Bücher.— Stowe, ſagt' ich zu ihr, als wir nach Tiſche eine Cigarre mit einander rauchten—“
„Wie? ſie rauchte auch?“
„Alle Amerikanerinnen rauchen zu Hauſe. Alſo ich ſagte zu ihr: Stowe, hat Se das Buch geſchrieben oder nicht?“
„Wenn haſt du dieſe Reiſe eigentlich gemacht, Schellinger?“ fragte Richard lächend.
„Ich habe euch ſchon eiumal geſagt, daß es ungefähr zwan⸗ zig Jahre her ſein mögen,“ entgegnete der Garderobegehülfe.
„So, vor zwanzig Jahren haſt du ſie gefragt, ob ſie das Buch geſchrieben hat?— Na, das hab' ich nur wiſſen wollen.“
„Auf ihr Ehrenwort habe ich ſie damals gefragt,“ verſetzte ruhig der Schneider, indem er außblickte,„und ſie ſagte: nein Schellinger, ich hab' es nicht geſchrieben, Gott ſtraf' mich! Ich kenne aber den Verfaſſer: es iſt von einem pietiſtiſchen Pfarrer in Rheinpreußen.“
Die Zuhörer hatten lange an ſich gehalten, jetzt aber brachen ſie in ein ſo lautes Gelächter aus, daß der Inſpicient, der mit ſei⸗ nem Buche hinter den Couliſſen hin und her ging, erſchrocken herum fuhr und eifrigſt Ruhe gebot.
Schellinger zuckte die Achſeln und ſprach nach einer Pauſe


