216 Achtzehntes Kapitel.
wo ich mich eine Zeit lang bei den Schwarzen aufhielt— da hatte ich auch nicht übel Luſt, mich zu verheirathen.“
„Wenn das deine Alte gewußt hätte!“ meinte Schwindelmann.
„Wir waren ſo zu ſagen ſchon einig, da ging ich eben zu jenem Oberamtmann und trug ihm die Sache vor. Er dachte eine Zeit lang nach, ſpuckte— mit Reſpekt zu vermelden— meh⸗ reremals gerade aus an die Bäume, und das mit ſolcher Kraft und Geſchicklichkeit, daß ein Kolibri, den er treffen wollte, todt herunter fiel.“
„Ah!— Schellinger!“
„Gott ſtraf mich, es iſt wahr!— Seht ihr, die Honoratioren da hinten herum, die zu faul ſind, ein Gewehr zu tragen, gehen auf ſolche Art auf die Vögeljagd, und wenn man ſo durch den Wald geht, da ſieht man ſie bald hier und bald da mit geſpitztem Maule ſtehen, und auf einmal patſch!— patſch dich!— prrrdautz! Da rappelt's droben und herunter fallt euch ſo ein Lämmergeier, der mit ausgeſpreitzten Flügeln ſeine ſechsunddreißig Fuß mißt.“
„Lüg' du und der Teufel!“ rief Schwindelmannn.—„Schel⸗ linger, wie kann man ſo unverſchämt ſein!“
„Es iſt leider wahr,“ entgegnete traurig der Schneider; „man gewöhnt ſich in Amerika das Spucken auf dieſe heftige Art ſo leicht an. Als ich hieher zurück kam, konnt' ich's nimmer laſſen, und eines Tags paſſirte mir ein großes Unglück. Da ſtand mein älteſter Sohn vor mir, ich— patſch dich! und fliegt ihm die linke Hand fort.“
„Aber, Schellinger,“ ſagte ziemlich ernſt der erſte Maſchiniſt „du haſt ja nie einen Sohn gehabt!“
„Das iſt leicht möglich— aber gewiß ohne meine Schuld,“ verſetzte unerſchütterlich der Schneider.„Ich habe es meiner Frau immer geſagt. Nun, dann war es der älteſte Sohn von ſonſt Jemand. Aber wahr iſt die Geſchichte, und wenn Einer die Probe davon machen will, da ſteh' ich zu Befehl.“
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