Hinter der achten Couliſſe. 215
kel Tom“— damit ſchob er wichtig die Unterlippe vor, zog die Augenbrauen in die Höhe und ſchüttelte mit dem Kopfe—„der Onkel Tom,— nal ihr verſteht mich!“
„War er ein etwas verwegener Burſche?“ fragte Richard, indem er ſich, um beſſer zu hören, feſter in die Couliſſen hinein drückte.
„Der Hafer hat ihn geſtochen,“ fuhr Herr Schellinger fort. „Er hatte es zu gut; es war ſo ein Bischen Wühlerei dabei, was Demokratiſches, weßhalb er auch verkauft wurde. Und das Buch,“ ſagte er geheimnißvoll, indem er den Zeigefinger erhob,„ſoll auch eigentlich keine Bibel geweſen ſein, ſondern eine Verfaſſungsurkunde, die er für die Schwarzen entworfen.— Ich habe es in der Hand gehabt.“
„Aber das Verkaufen wirſt du nicht rechtfertigen wollen? Denke dir, du haſt Weib und Kind, mit denen du ſchon lange Jahre lebſt, nun will man dir deine Frau verkaufen.“
„Ja, das hätte er ſich ſchon gefallen laſſen,“ ſagte Herr Wan⸗ der.„Nicht wahr, Schellinger, darüber hätteſt du kein Buch ge⸗ ſchrieben? 24
Der Schneider gab über dieſe ſchlechten Späſſe keine Antwort, er blickte nachdenkend an den Schnürboden hinauf und erwiderte dann:„das Verkaufen iſt allerdings ſehr hart. Aber als ich da hinten war, da hat mich ſo ein amerikaniſcher Oberamtmann dar⸗ über aufgeklärt. Man muß das Ding nicht mit unſerem Maßſtab meſſen. Was Teufel! Wenn ich hier bei uns heirathe und Kin⸗ der bekomme, ſo hat kein Menſch ein Wort darein zu ſprechen; Frau und Kinder ſind mein, das weiß ich, denn ich lebe in einem Lande, wo man mir alles Andere, nur nicht die Familie verkau⸗ fen kann.“
„Wenigſtens nicht öffentlich,“ ſagte Richard finſter.
„Nun alſo,“ fuhr der Schneider fort,„ich verſichere euch, als ich damals da hinten war— ich kam gerade von Mexico herüber,


