Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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214 Achtzehntes Kapitel.

„Der Richard hat nicht ganz Unrecht,“ ſagte leiſe Herr Schel⸗ linger.„So ein Geſchlaf hat's gar nicht ſchlecht; ich möchte auch eins ſein. So ein Kerl ſitzt in ſeiner Hütte, ißt den ganzen Tag die theuerſten Früchte, nährt ſich von Reißbrei und jungen Hüh⸗ nern, und wenn er einmal nicht ſchaffen will, ſo gibt er Bauch⸗ ſchmerzen vor und bleibt zu Hauſe.“

„Das kannſt du auch thun,“ bemerkte Schwindelmann.

„Ja, aber nicht unter den vorhin angegebenen Bedingungen,“ entgegnete der Schneider.„Wo bleibt dann der Reißbrei und die Früchte?“

„Pfui, Schellinger!“ ſagte lachend Herr Wander,„du biſt eine knechtiſch geſinnte Natur! Was nutzt dich das Bischen Eſſen und Trinken, wenn du dafür von allem Erhabenen und Schönen, was die Freiheit bietet, nichts erreichen kannſt?“

„Was habe denn ich armer Schneider je Erhabenes und Schö⸗ nes zu erreichen gehabt?“

„Wenn du ein Geſchlaf biſt,“ entgegnete lachend Richard, „ſo kannſt du dir kein eigenes Vermögen erwerben, kein Haus beſitzen.“

„O, das wäre Schade!“ grinste der Schneider.

„Ja— a, ja— al!“ ſprach der erſte Maſchiniſt,„und könnte niemals Abgeordneter oder Stadtrath werden.“

„Wozu ich als freier Mann freilich hier alle Ausſicht habe,“ meinte höhniſch Herr Schellinger.

„Aber Spaß bei Seite!“ warf der Schwindelmann dazwiſchen, indem er ſeinen Nachbar verſtohlen an die Seite ſtieß,„über das Geſchlafenleben kann uns Niemand beſſer aufklären wie der Schel⸗ linger. Nicht wahr, du biſt ja da hinten in Südamerika geweſen, und haſt den Onkel Tom beſucht?“

„Es iſt das ſchon lange her,“ entgegnete kopfnickend und träu⸗ meriſch der Schneider;„ich glaube ſo an die zwanzig Jahre, aber ich erinnere mich ſeiner noch recht gut.— Unter uns geſagt, der On⸗