Hiuter der achten Couliſſe. 207
haften Lichte mehr wie den Glanz der Sonne. Ja, wenn ſie Mittags nach Hauſe gehen, ſo drücken ſie ihre Mützen tief in's Geſicht und ſcheinen ordentlich ſcheu auf der Straße dahin zu flattern, wie aufgeſtörte Nachtvögel. Unlieb iſt ihnen bei der Ar⸗. beit der neugierige ſcharf blitzende Sonnenſtrahl, der zuweilen bei einer Tagesprobe durch eine Oeffnung auf die finſtere Bühne zuckt und mit einem langen, ſchmalen Streifen ſo reines Gold, ſo glühendes Licht zwiſchen die ſchwarzen Schatten hinein wirft, daß die gemalten Blumen erbleichen und das abendlich noch ſo friſche Grün grau und moderig ausſieht,
Sie, dieſe armen Arbeiter, den ganzen Tag in der Finſter⸗ niß umhertappend, lieben überhaupt den Sommer und den Sonnen⸗ ſchein wenig, wenn letzterer draußen über Berg und Thal ſcheint und alle Menſchen ſich an ſeinem Strahle erfreuen, ſich an der friſchen Luft erlaben, welche die duftenden Blumen und Bäume aus⸗ hauchen, während ſie die knarrenden Seile auf und ab ziehen, be⸗ ſtaubte Couliſſen aufhängen und einen künſtlichen Donner und Regen hervorbringen, der nichts Erquickendes hat und nur Legionen von Motten und einige Fledermäuſe aufjagt.
Der Winter iſt ihnen lieber; da ſind die anderen Menſchen auch in's Haus gebannt, und da ſitzt es ſich gar nicht unbehaglich an dem breiten eiſernen Ofen hinter der achten Couliſſe, während draußen der Sturm heult oder der Regen auf das Zinndach des Theaters niederpraſſelt.
Ja, hinter der achten Couliſſe iſt ein recht heimliches Plätz⸗ chen, wie gemacht zum Verſammlungsort der Maſchiniſten und Zimmerleute. Gleich rechts daneben iſt die Flugmaſchine, mit der es auf den Schnürboden hinauf geht, und links die eine Treppe, welche unter das Podium führt; die Zeichen zum Donner und Regen hängen dicht daneben, und zwei Sprachrohre münden hier ebenfalls, durch welche man Befehle augenblicklich nach allen Theilen der Bühne hinſchleudern kann. Da ſtehen meiſtens Fauteuils und


