Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Falſches Zeugniß. 205

„Es thut mir leid,“ entgegnete die Tänzerin,„und iſt wahr⸗ haftig nicht meine Schuld.“

„Wer iſt denn das?“ fragte Schwindelmann, indem er auf Katharine zeigte, die ſchon an den nächſten Häuſern erſchöpft ſtehen blieb.

„Eine unglückliche Perſon, der es ſehr ſchlecht ergangen,“ er⸗ widerte Mamſell Marie.

„Und wo wohnt ſie?“ fragte eine der Tänzerinnen aus dem Wagen.

„In der Schloſſergaſſe.“

„Dahin fahren wir gerade auch,“ ſagte nachdenkend Schwin⸗ delmann. Und als ihn ein bittender Blick des jungen Mädchens traf, rief er in den Wagen hinein:„was meint ihr da drinnen, haben wir bis zur Schloſſergaſſe noch Platz für eine arme kranke Perſon, die ſonſt vielleicht im Schnee ſtecken bleibt?— Es hat nicht Jedermann einen Wagen wie ihr Prinzeſſinen, und was man ſeinem Nächſten thut, das wird Einem im Himmel gut geſchrieben.“

„Gott! der Schwindelmann wird fromm!“ lachte eine luſtige Stimme aus dem Wagen.„Mir iſt es gleich viel.“

„Mir auch!“ riefen ein paar Andere.

Und darauf ſprang Mamſell Marie in den Wagen, der Schlag blieb offen. Andreas fuhr fort, und Schwindelmann trabte neben der Cquipage her, bis zur armen Katharine, die zu ihrer großen Verwunderung ſolchergeſtalt auf die angenehmſte und bequemſte Art nach ihrer Wohnung in der Schloſſergaſſe befördert wurde.

Schwindelmann aber wurde ſeit jenem Abend von den Tänze⸗ rinnen zum Hoftheater⸗Samariter ernaunt.