Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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20141 Siebenzehntes Kapitel.

„Iſt es denn ſchon ſo ſpät,“ fragte die Tänzerin,„daß der Theaterwagen drunten hält, mich abzuholen? Verzeih', Katharine, da muß ich mich eilen; ich darf den Schwindelmann nicht warten laſſen.“

„Und ich will auch gehen,“ ſprach ſeufzend die Andere, indem ſie ſich ſchwankend erhob.„Aber nicht wahr, Marie, ich ſehe dich morgen oder ſobald du etwas weißt?“

„Gewiß, Katharine, gewiß!“ antwortete die Tänzerin, während ſie ihren großen Korb auf den Tiſch ſtellte, noch einmal flüchtig die Gegenſtände darin überſah, und die Tanzſchuhe, an denen ſie vor⸗ hin gearbeitet, dazu legte.„Ich werde heute Abend noch mit Eini⸗ gen darüber ſprechen. O, die Mädchen bei uns wiſſen recht gut Beſcheid und Manche kennen die ganze Stadt.“

„Und du kommſt dann zu mir, Abends nach acht Uhr?— Mit welcher Ungeduld will ich dich erwarten!“

„Verlaß dich auf mich; ich thu, was ich kann.“

Damit band die Tänzerin ein Tuch um ihren Kopf, wickelte ſich in einen alten verblichenen Shawl, noch ein Erbſtück ihrer verſtorbenen Mutter, nahm den großen Korb unter den linken Arm und begleitete mit dem rechten Katharinen ſorgfältig nach der Thüre, die ſie abſchloß und den Schlüſſel im Ofenloch verſteckte.

Es ging etwas langſam die Treppe hinunter, und Schwin⸗ delmann, der unten an der Thüre ſtand, trippelte ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Drei bis vier Colleginnen ſtreckten ihre Geſichter aus dem Wagenfenſter hervor und blickten neugierig auf das bleiche Mädchen, das mit einem Händedruck und bittenden Blick ſich von Marie verabſchiedete und nun langſam an den Häuſern dahin ſchlich.

„Der Teufel auch!“ ſagte Schwindelmann,„Mamſell Marie,

Sie laſſen uns lange warten. Das ſind wir bei Ihnen nicht ge⸗ wöhnt.“