Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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202 Siebenzehntes Kapitel.

nahm ein warmes Tuch vom Nagel, das ſie umhing, und ſchickte ſich an, mit der Bauersfrau das Zimmer zu verlaſſen. An der Thüre warf ſie noch einen ſcheuen Blick auf die Kranke.—„Es kommt mir doch etwas grauſelich vor,“ ſagte ſie dann leiſe zu ihrer Begleiterin.„Wenn ich mir das Mädchen ſo von hier aus be⸗ trachte, ſo meine ich wahrhaftig, es ſei todt und wir trügen da⸗ von die Schuld.“

„Ach was!“ entgegnete die Andere;„ſeid nur nicht ſo klein⸗ müthig, ſo was kommt ſchon im Leben vor. Todt iſt ſie auch nicht; ſeht, ſie reißt ihre Augen auf und ſchaut nach uns her.“

„Ja, ja, Frau, Ihr habt Recht, ſie blickt nach uns her, aber mit einem ſchauerlichen Blick.“

Damit zog ſie die Andere zur Thüre hinaus.

Es brauchte wohl eine Viertelſtunde Zeit, ehe ſich Katharine ſo weit erholt, daß ſie die Tänzerin um die näheren Umſtände be⸗ fragen konnte. 5.

Marie ſagte, was ſie gehört:

Das Kind war alſo nicht geſtorben, aber man hatte ein ande⸗ res, das geſtern Nacht ſeinen Leiden erlegen, unterſchoben und ſo wirklich einen Todtenſchein erhalten. Wohin ſie das lebende Kind gebracht, hatte keines der Weiber geſagt, wohl aber, daß es auf den Antrieb ſein er Familie geſchehen, die damit das letzte Band zwiſchen ihm und ſeiner ehemaligen Geliebten zerreißen wollte.

„Sei nur ruhig,“ ſagte die Tänzerin zu der Unglücklichen, deren Hände heftig zitterten,„ſei ruhig, wir wollen ſchon erfahren, wohin ſie das Kind gebracht.“

„Von deiner Tante glaubſt du es zu erfahren?“

„Nein! nein! die ſagt mir nichts; ich habe ſchon meine Wege.“

„Aber bald, Marie, nicht wahr? Bald, bald ſuchſt du es zu erfahren, denn glaube mir, wohin ſie auch das Kind gebracht ha⸗ ben, es befindet ſich an einem Orte, wo es nicht lange leben kann; ich kenne ſolche Anſtalten.— Du ſiehſt mich ſchaudernd an?—