Ein Loch im Vorhange. 4⁵
„Alſo ein kalter Handel!“ ſprach verächtlich die ſchöne Tän⸗ zerin.„Pfui Teufel! das iſt ſebr unangenehm.“
„Nicht wahr, es iſt ſchrecklich, Thereſe? O gib mir einen Rath! Ich habe ja Niemand auf der Welt, dem ich mich anver⸗ trauen könnte, Niemand, der mir die geringſte Hülfe leiht, wenn ich mich weigere.“
„Es iſt eine vollkommene Niederträchtigkeit,“ entgegnete De⸗ moiſelle Thereſe nachdenkend.„Aber wenn du nichts Näheres weißt, ſo iſt dir ſchwer zu helfen.— Wer iſt's denn? Hat man dir kei⸗ nen Namen genannt?“
„Den Namen kann ich dir nicht ſagen, aber er kam einmal in unſer Haus und zufällig war ich im Nebenzimmer und habe an der Thüre gehorcht. Da hat ſie freilich geſagt, ſie wolle mich nicht zwingen, aber es wäre ihr recht, wenn ſie ſich ſo aus der Verlegen⸗ heit reißen könne.“
„Du haſt ihn alſo geſehen?“
„Ja!“
„Und kennſt du ihn nicht?“
„Nein.“
„Iſt es ein junger Mann?“
„So ziemlich; in die Dreißig.“
„Aber, liebes Kind,“ verſetzte halb ärgerlich Thereſe,„wenn du mir keine genaueren Kennzeichen anzugeben im Stande biſt, ſo kann ich dir keinen Rath ertheilen. Ich muß vor allen Dingen wiſſen, um wen es ſich handelt; ich muß den Feind kennen, wenn wir den Krieg beginnen wollen. Erkundige dich alſo, wenn du kannſt, nach ſeinem Namen.“
„Vielleicht kennſt du ihn.“
„Wohl möglich, wenn ich ihn ſehe.“
„Ich will ihn dir zeigen.“
„So iſt er alſo im Theater?“
„Ja, ich habe ihn geſehen.“


