Ein Loch im Vorhange. 43
Augenblicke lachen und plaudern, ſo geſchieht es doch mit großer Anſtrengung und mit auf⸗ und abwogender Bruſt. Dabei wird aber der Anzug und die Friſur nicht außer Acht gelaſſen und die Eine beſchäftigt ſich mit der Anderen, hier eine Locke wieder auf⸗ zuſtecken, dort eine Schleife zu befeſtigen, oder einen Schleier, der ſich gelöſt hat, wieder anzubinden.
„Das muß ich ſchon ſagen,“ meinte Demoiſelle Thereſe, eine der Erſten, die wieder vollſtändig zu Athem kam,„der Kapellmeiſter iſt heute wieder einmal ganz von Sinnen. Hat man je ein ſo ra⸗ ſendes Tempo geſehen? Mir ward mein Leibchen zu eng, und das will doch viel ſagen.— Armer Schatz,“ wandte ſie ſich an eine ſchmächtige Collegin, welche, die heiße Stirne an einen Balken ge⸗ drückt, vergeblich darauf zu warten ſchien, daß ſich ihr Herzſchlag beruhige,„dich habe ich noch zu guter Zeit aufrecht erhalten; ich werd's aber dem da drunten ſtecken, wenn er im Zwiſchenakt herauf⸗ kommt.—— Fühlſt du dich unwohl?“ wandte ſie ſich abermals an die erſchöpfte Collegin.
Dieſe ſchüttelte mit dem Kopfe und verſetzte nach einer länge⸗ ren Pauſe:„unwohl gerade nicht, aber es hat mich furchtbar an⸗ gegriffen; wenn du mich nicht aufrecht gehalten hätteſt, ſo wäre ich am Sonfleurkaſten niedergeſtürzt. Ich danke dir, Thereſe.“
„Keine Urſache,“ entgegnete dieſe,„aber ich will dir was ſa⸗ gen: du biſt zu feſt geſchnürt, laß dich ein Bischen loſer machen.“
„Ich kann nicht,“ ſagte die Andere mit leiſer Stimme,„mein Kleid iſt mir ſo eng genug; ich würde mich gerne krank melden, aber wenn ich das jetzt ſchon thue, ſo muß ich fürchten, entlaſſen zu werden, und wovon ſoll ich alsdann leben?“
Demoiſelle Thereſe zuckte die Achſeln und wandte ſich hinweg. „Armes Geſchöpf!“ murmelte ſie zwiſchen den Zähnen. Dann winkte ſie jener Tänzerin, die ſich in der Garderobe neben Clara angezogen, und die mit verweinten Augen in der Fenſterniſche ge⸗


