Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Drittes Kapitel.

gefallen? Er läßt ſie durch die Finger gleiten, läßt ſie ſo tief ſinken als ihr beliebt; er fragt nicht, ob ſie Hunger und Kälte ausſtehen muß, und wenn er ihr nach Jahren begegnet, dem Mäd⸗ chen, jetzt abgehärmt und elend, das er früher jung und ſchön in ſeine Arme gedrückt, ſo zuckt er verächtlich die Achſeln oder er lacht über ſie.“

„Aber man kann mein Kind nicht wie dort verkaufen,“ ſprach nachſinnend die blonde Tänzerin.

„Leider! leider!“ rief heftig die Andere.„Wo könnte man die armen Dinger verkaufen, daß ſie in Hände kämen, die ſie ordent⸗ lich nährten und verpflegten, ſtatt daß Tauſende bei ihren Müttern in Kummer und Elend zu Grunde gehen! Und wozu ſoll Manche ihr Kind erziehen? Zu dem Geſchäft, das ſie ſelbſt treibt?— Ah! das muß ich ſagen, da ſieht ſie ein glückliches Loos vor Augen und blickt in eine ſchöne Zukunft, wenn ſie ihrem armen kleinen Kinde den rothen Mund küßt!“

„Ja, es iſt für Manche beſſer, wenn ſie ſterben,“ ſagte Clara mit leiſem, traurigem Tone.

„Aber wir leben,“ erwiderte Thereſe, dies energiſche und ſchöne Mädchen.„Und ich meines Theils will Allem trotzig die Stiru bieten, was über mich hereinbrechen will.— Denen da drau⸗ ßen,“— damit ſtreckte ſie ihre rechte Hand gegen das Publikum aus, das man lachen und applaudiren hörte,—„denen habe ich einen ewigen Krieg geſchworen, nnd ich führe ihn auf meine eigene Art. Es ſollte mich wahrhaftig gar nicht wundern, wenn ich nicht für meine vielen glücklichen Siege noch einmal General würde.“ Damit warf ſie den Kopf ſtolz in den Nacken und verſchwand in dem Dunkel der Couliſſen. 3

Clara blieb noch einen Augenblick nachſinnend ſtehen, dann ſagte ſie ſtill für ſich:„ſie hat nicht ganz Unrecht. Habe ich doch geſtern in dem Buche geleſen, daß die Sklavinnen, ehe man ſie verkauft, wie eine Waare unterſucht werden.— Ah! etwas Aehn⸗