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Sklavinnen. 37
fremdem, vielfach eingebildetem und übertriebenem Elend wollüſtig erlabt, während man dicht vor der Naſe daſſelbe in noch viel grö⸗ ßerem Maßſtabe hat.“
„Thereſe ſpricht wie ein Buch,“ verſetzte die Blondine.„Aber es iſt begreiflich und ich beneide dich wahrhaftig um deine Sucht, Alles zu leſen und dich über Alles belehren zu laſſen.“
„Das kommt daher,“ bemerkte Thereſe mit ruhigem Tone, „weil ich nur mit gebildeten Leuten umgehe und vielen Sinn für alles Schöne und Gute habe. An mir iſt mindeſtens eine ganze Gräfin verloren gegangen.“
„Man ſagt ſogar, du ſeiſt eine halbe Prinzeſſin,“ meinte la⸗ chend die blonde Tänzerin.
Thereſe zuckte mit den Achſeln, dann fuhr ſie fort:„und ſeht nur die Meiſten von Denen an, welche für die Leiden jener un⸗ glücklichen Geſchöpfe ſcheinbar ſo warm fühlen und Alles thun zur Verbreitung des Buches, um der Welt zu ſagen, wie ſchrecklich es in jenen fernen Ländern zugehe, wie es ſo chriſtlich und nothwen⸗ dig ſei, jenen Leuten ein paar ſtille Thränen zu weihen, ſeht ſie euch doch an! ich kenne ein Paar, die nach der Sklaverei ſo viele tauſend Meilen von ſich ausſchauen und die zu Hauſe darüber ſtol⸗ pern; die das Elend jener unglücklichen Menſchen täglich und ſtünd⸗ lich beklagen, und die in ihrem Hausweſen und für ihre Mitmen⸗ ſchen ſelbſt die ſcheußlichſten Sklavenhändler ſind.— Ah! ich rede mich in eine wahre Wuth hinein.“
„Und du übertreibſt,“ ſagte Eliſe.
„Worin übertreibe ich? Biſt du nicht verkauft— bin ich nicht verkauft, ſind es nicht all die tauſend armen Mädchen, die für ihr tägliches Brod arbeiten? Vorausgeſetzt, daß ſie hübſch ſind.— Und an wen ſind ſie verkauft? Vielleicht wie jene Schwarzen an einen Herrn, der ſein Intereſſe dabei hat, ſie gut zu behandeln, damit er ſie erhält?— Nein! tauſendmal nein! Was kümmert ſich Dieſer oder Jener bei uns um ein armes Mädchen, das ihm heute


