Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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36 Drittes Kapitel.

die drei Mädchen ausſtreckte und ſagte:„wir ſtehen gerade unter dem rechten Symbol; du meinſt, wir ſeien keine Sklavinnen, das heißt Sklavinnen, was die Leute ſo darunter verſtehen, Sklavin⸗ nen, die in jenen Ländern wohnen unter einem freundlich lachenden und ſonnigen Himmel, von Blumen umgeben nnd ſchönen Früchten, die nicht Kälte und Hunger kennen. Nein, du haſt Recht, ſolche Sklavinnen ſind wir nicht.— Aber unſere Sklaverei iſt viel härter, viel dauernder, viel grauſamer. Diejenigen, welche mit einem dunkeln Geſichte auf die Welt kommen, wiſſen ganz genau, daß einmal eine Abſtufung zwiſchen ihnen und ihren weißen Schwe⸗ ſtern beſteht; warum hat Gott die beiden Racen geſchaffen? Er hat wohl ſeine Gründe dazu gehabt. Aber wir, Sklavinnen durch Geburt und Verhältniſſe, obgleich unſer Geſicht nicht eine Idee dunkler iſt als das der Anderen, die mit Verachtung auf uns herabſchauen— übrigens bin ich mit meinem Geſichte wohl zu⸗ frieden,— wir haben das volle Recht, unſeren Zuſtand bitterer zu empfinden als jene Anderen. Und welch Herzeleid thut man ihnen, das uns nicht doppelt geſchieht?“

„Weil wir Tänzerinnen ſind,“ ſeufzte Clara mit gefalteten Händen.

„Nicht blos weil wir Tänzerinnen ſind,“ fuhr die Andere fort. Und bei jedem Worte, das ſie ſprach, blitzten ihre weißen Zähne. „Seht unter all' euren Bekannten nach der ganzen Claſſe, der wir angehören, alle wir, die wir keine Schuld daran haben, daß wir nicht vornehm geboren wurden, wir alle ſind Sklavinnen und ha⸗ ben ein härteres Loos als Jene, die wirklich ſo heißen.“

„Da iſt ein neues Buch geſchrieben worden,“ ſagte Clara; „habt ihr davon geleſen? Mein Vater überſetzt es zu Hauſe für einen Buchhändler und ich leſe die Correcturbogen.“

„Freilich habe ich es geleſen,“ erwiderte die andere Tänzerin.

„Und die Abſicht der Verfaſſerin iſt gewiß lobenswerth; aber lä⸗

cherlich iſt es, wie man bei uns dafür ſchwärmt, wie man ſich an