Sklavinnen. 35⁵
verächtlichem Tone,„kann das auch geſchehen; doch iſt es nicht ſehr nobel.“
„Aber ich will keinen Liebhaber,“ verſetzte ſchüchtern das junge Mädchen, dem dieſe Rathſchläge gegeben wurden.„O mein Gott, ich bin eine Tänzerin, das iſt wahr, aber ich habe mich doch zu ſonſt nichts verkauft.“
„Aber verkauft haſt du dich,“ entgegnete Demoiſelle Thereſe, und umſpannte mit ihren beiden Händen ihre ſchlanke Taille.„Ver⸗ kauft haben wir uns Alle mit Leib und Seele.“
„Das wäre ja ſchrecklich!“ meinte die blonde Tänzerin.„Nein, Thereſe, du übertreibſt; ich habe mich nicht verkauft.“
„Du haſt dich nicht verkauft?“ fragte Thereſe hochmüthig, in⸗ dem ſie ſich ſtolz aufrichtete und ihre blitzenden Augen ſo feſt auf die Kollegin richtete, daß dieſe die ihrigen ſcheu zu Boden nieder⸗ ſchlug.„Wir ſind hier unter uns, und ich für meine Perſon will mich wahrhaftig nicht beſſer machen als ich bin. Erinnerſt du dich noch— es ſind jetzt drei Jahre, wir Beide waren damals Sechs⸗ zehn alt— weißt du noch, Schatz, wie man dir eine Zulage ver⸗ ſprochen und wie dich der Balletmeiſter da hinten in's blaue Zim⸗ mer beſtellte, in das blaue Zimmer mit dem gelben Sopha?— Ja, mein Kind, du bekamſt eine Zulage, das heißt, du erhielteſt ſie ſpäter, aber— ſprechen wir nicht mehr davon.— Hat man dir noch keine Zulage verſprochen, meine ſchöne Clara?“
„Nein, nein,“ entgegnete dieſe finſter,„wenn man mir ſie auch verſpricht, ſo gehe ich doch nicht ins blaue Zimmer.“
„Das wird man dir ſchon ſagen, mein Lieb,“ erwiderte fin⸗ ſter lachend Thereſe.„Man beſtellt dich und du kommſt. Damit iſt die Sache abgemacht.“
„Ich bin keine Sklavin,“ verſetzte ſtolz die junge Tänzerin. Und dabei warf ſie ihre Lippen auf und ihr Auge blitzte.
Thereſe lächelte ſtill vor ſich hin, dann blickte ſie in die Höhe zu einem gemalten Palmbaume, der ſeine rieſige Blätterkrone über


