Sklavinnen. 33
Der Tänzer wollte ſich genauer überzeugen, doch trat Demoi⸗ felle Clara abermals einen Schritt zurück.
„Sie ſind ein kindiſches Mädchen,“ ſprach der Vorgeſetzte; „Sie werden noch viel lernen müſſen oder Sie bringen es zu gar nichts.— Sind Sie nicht zu feſt geſchnürt?“
„Ich ſchnüre mich nie feſt,“ entgegnete Clara kurz abgebrochen und wollte ſich entfernen.
Der erſte Tänzer aber faßte ihren Arm und hielt ſie feſt.„Ich glaube,“ ſagte er mit leiſer Stimme,„die Schneiderinnen behandeln Sie mit gar keiner Aufmerkſamkeit; für Ihre unvergleichliche Taille findet ſich gar nichts Paſſendes in der Garderobe; man müßte Ih⸗ nen eigentlich immer neue Sachen machen. Und wenn Sie wol⸗ len, Clara—“
Das Mädchen verſuchte ihre Hand zwiſchen den feuchten Fin⸗ gern des dürren Tänzers hervorzuziehen; es durchſchauerte ſie eiſig. Doch hielt er ſie feſt.
„Es ſcheint mir,“ fuhr er ſtockend fort, während er ſich auf ſie herabbeugte,„die Garderobidre will Ihnen nicht wohl; ſie gibt Ihnen immer alte zu ſtark wattirte Leibchen.— Ah! ich muß das unterſuchen!——„
Doch wurde dem dienſteifrigen Collegen zum Glücke des jun⸗ gen Mädchens für jetzt keine Zeit zu dieſer Unterſuchung gelaſſen, denn als er ſie beginnen wollte, kamen aus der Seitencouliſſe zwei der Tänzerinnen in einem ſo raſenden Walzer dahergeflogen, daß ſie kein Hinderniß beachten konnten und mit ſolcher Gewalt gegen den erſten Tänzer anprallten, daß dieſer weithin auf die Bühne flog und nur durch eine Säule, die er krampfhaft ergriff, vor einem gänzlichen Falle errettet wurde.
Clara, die hocherfreut aber erſtaunt war, ſich ſo plötzlich be⸗ freit zu ſehen, fühlte ſich von den beiden Colleginnen ergriffen und mußte den tollen Wirbel mitmachen, der in einem weiten Bogen
Hackländers Werke. XVI.
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