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32 Drittes Kapitel.
wiederholte er mit lauter Stimme.„Ich muß ſie bitten, augen⸗ blicklich vorzutreten.“
Dieſem zweiten Ruf mußte Folge geleiſtet werden, und das Mädchen trat, obgleich widerſtrebend, auf die halbdunkle Bühne, in deren Mitte der lange Tänzer allein ſtand.
„Es iſt doch ſonderbar,“ ſagte er mit einem häßlichen Lächeln, „daß man Sie immer zweimal rufen muß.— Es wäre wahrhaftig für Ihr Fortkommen beſſer,“ ſetzte er leiſe hinzu,„wenn Sie meinen Aufforderungen gleich auf das erſte Mal Gehör gäben.“
„Was wollen Sie von mir?“ fragte die Tänzerin mit unſicherer Stimme.
„O, für jetzt nicht viel,“ entgegnete ihr College.„Sie tanzen in der vorderſten Reihe, Sie tanzen zu ſechs mit mir, ich möchte nach Ihrem Anzuge ſehen; dann könnten wir auch geſchwind die letzte Stellung probiren.“
„Mein Anzug iſt in Ordnung,“ verſetzte das Mädchen, indem es einen Schritt zurücktrat.
„Ihre Schuhe nicht zu weit?“
„Ein wenig; aber ich habe ſie eingenäht.“
„Ihre Tricots feſt angezogen? Ich will keine Falten bemerken. — Laſſen Sie ſehen.“
Das Mädchen rührte ſich nicht. Doch wenn es auf der Bühne nicht ſo dunkel geweſen wäre, hätte man deutlich bemerken können, wie ſelbſt unter der Schminke eine glühende Röthe ihr Geſicht überfuhr.
„Seien Sie nicht kindiſch,“ ſagte der Tänzer,„und laſſen Sie ſehen. Sie wiſſen, Clara, daß ich mit mir nicht ſpaſſen laſſe, und daß Sie auf eine Zulage nächſten Monat durchaus nicht zu rechnen haben, wenn ich Sie immerwährend wegen Ungehorſams und Widerſetzlichkeit anzeigen muß.— Nun!“
Das arme Mädchen knitterte mit der rechten Hand ihren ſei⸗ denen Tanzrock zu tauſend Falten zuſammen, dann erhob ſie ihn ein paar Zoll hoch, ſo daß ihr Knie ſichtbar wurde.


