Drittes Kapitel.
Drittes Kapitel. Sklavinnen.
Wie meiſtens vor einem größeren Ballet ein kleines Luſtſpiel gegeben wird, ſo auch am heutigen Abend. Es geſchieht das, um den erſten Hunger des Publikums zu ſtillen, um den Zuſpätkom⸗ menden genügende Zeit zu laſſen, ihre Plätze einzunehmen, und um Alle, oftmals durch einige Langeweile, empfänglicher zu machen für den nun folgenden Spektakel, für Dekorationen, Coſtüme, Tän⸗ zer und Tänzerinnen. Hiezu wird meiſtens ein harmloſes Luſt⸗ ſpiel gewählt, an dem man nicht viel verliert, wenn man auch erſt in der Mitte deſſelben ins Theater kommt; es hat gewöhnlich eine einfache Dekoration, damit man hinten genugſam Platz hat für die Zurüſtungen, ſowie eine Stelle, wo ſich das Corps de Ballet aufhält und wo die Solotänzerinnen die verzweifeltſten An⸗ ſtrengungen machen, damit ihre Glieder nachher im höchſten Glanze der Gelenkigkeit erſcheinen.
Es iſt heute Abend ein Ballet in vier Aufzügen, zwölf Tab⸗ leaux, mit viel Tyrannei, viel Liebesſchmerz und ungeheurem Gefühl. Eine Scene, wo viel des Letzteren vorkommt, muß als ſehr ſchwierig noch probirt werden. Der Herzog, ein gutmüthiger Kerl,— ſo ſcheint er wenigſtens im erſten Aufzug, obgleich der emporgewichste Schnurrbart und der lange drohende Knebelbart deutliche Vorzeichen ſind, daß ſpäter einiges Zähneknirſchen und Augenverdrehen ſtattfinden wird,— der Herzog alſo kommt, wie es in Balleten meiſtens der Fall iſt, unglücklicher Weiſe in dem Augenblick zu ſeiner Braut, wo deren eigentlicher Liebhaber, der junge Ritter Aſtolfo, ebenfalls bei ihr iſt. Das gibt eine furcht⸗ bare Scene; der Herzog bleibt wie angewurzelt ſtehen und gleitet dann mit einem fürchterlichen Blick, faſt ohne die Füße zu bewegen,
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