Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Schwarze und rothe Schleifen. 29

war ſie, als nun das Kleidchen fertig war und nicht mehr ſo düſter in Schwarz und Weiß ausſah, ſondern freundlich und roſig, wie es für das liebliche Geſichtchen des verſtorbenen Kindes paßte.

Wann wird dein Schweſterchen begraben? fragte die blonde Tänzerin, die jetzt in den Kreis trat, in ihrer Hand einen kleinen Kranz haltend von künſtlichen Orangenblüthen, faſt ihr einziges und beſtes Eigenthum, das ſie aber gerne hingab, um das Köpf⸗ chen der Verſtorbenen damit zu zieren.Wann wird es begraben? wiederholte ſie.Denn es verſteht ſich von ſelbſt, daß wir Alle mitgehen.

Natürlich, ſagte Thereſe;da wird gewiß keine fehlen. Und an Blumen bringen wir mit, was wir auftreiben können; die jetzt gewachſenen und blühenden ſind freilich theuer, aber es thut nichts, ſollte es auch ein gemachter Strauß ſein. Es hat die gleiche Wirkung, wenn es nur vom Herzen kommt.

Es ſoll mich freuen, erwiderte Clara,wenn ihr auf den Kirchhof kommen wollt; das Begräbniß iſt übermorgen um zehn Uhr.

Verlaß' dich darauf, es fehlt keine, verſetzte Thereſe be⸗ ſtimmt. Und damit nahm ſie das fertig gewordene Kleidchen in die Höhe, und Alle betrachteten die wohlgelungene Arbeit.

In dieſem Augenblicke ertönte eine Klingel dreimal und heftig; es war das Zeichen für die Tänzerinnen, auf die Bühne zu kommen, weßhalb die Schränke eilfertig zugeſchloſſen wurden. Jede trat noch einen Augenblick vor den Spiegel, ſtreckte den Oberkörper ſo weit als möglich in die Höhe, zog den Tanzrock herab, betrachtete prüfend die Schuhe, ob nirgendwo ein Fehler zu entdecken ſei, und darauf flatterte die leichte Schaar die Treppen hinab und rauſchte auf die Bühne, wie ein anderes wildes Heer.