Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

28 Zweites Kapitel.

fragte nach einer längeren Pauſe Thereſe, indem ſie ſich niederbeugte und das Kleidchen mit der Hand berührte.Man ninmmt ja ge⸗ wöhnlich Roſaband; auch ſind die hier von Baumwollenzeug. Clara blickte in die Höhe und verſuchte zu lächeln, aber es wollte ihr nicht recht gelingen.Schwarz iſt ja die Farbe der

Trauer, ſagte ſie,und dann hatte ich dieſe Bänder ſchon; Roth

iſt ſo theuer.

Du haſt ſie von einem Kleid heruntergetrennt, fuhr die Andere fort, nachdem ſie genauer hingeſehen.Ich will das nicht leiden. Dabei richtete ſie ſich ſtolz in die Höhe.Dein Schweſterchen ſoll nichts Schlechteres haben, als die anderen Kin⸗ der. Allons! wandte ſie ſich an die Andern,ſucht rothes At⸗ lasband zuſammen, aber eilt euch. Wie viel Schleifen brauchſt du ungefähr?

Laß nur gut ſein, Thereſe, bat Clara,meine Liebe zu dem armen Kind iſt nicht geringer, wenn ich auch ſchwarze Schlei⸗ fen hinnähe.

Aber es muß einmal ſo ſein, entgegnete Thereſe eigenſinnig, du haſt ja kaum mit deinem ſchwarzen Band angefangen. Macht, daß wir rothe Schleifen bekommen!

Schon auf den erſten Ruf hin waren mehrere der Tänzerin⸗ nen zu ihren Schränken geeilt, und eine brachte das Verlangte herbei. 3

Thereſe durchſchritt alle Zimmer und rief nach rothem At⸗ lasband. 4 Wozu? fragten mehrere Stimmen.Zu welchem Zweck?

Und kaum hatte die Tänzerin erklärt, um was es ſich handle, ſo wurden bereitwillig Schränke und Schachteln geöffnet, und jede der glänzenden Nymphen, der ſtrahlenden Göttinnen und edlen Ritterfräuleins beeilte ſich, ihre rothe Schleife zu bringen, ſo daß Clara kaum mit dem Annähen fertig werden konnte.

Wie wohl that ihr übrigens dieſe Theilnahme, und wie erfreut