Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Schwarze und rothe Schleifen. 27

In dieſem Augenblick kam Mamſell Thereſe von ihrem Spie⸗ gel und trat mit erhobenem Kopfe vor die Beiden hin.So, ihr ſeid ſchon fertig? ſagte ſie.Und Clara iſt ſchon wieder am Ar⸗ beiten? Was machſt du denn da?

Mir iſt heute Nacht meine kleine Schweſter geſtorben, ant⸗ wortete das Mädchen. Und als ſie ihren Kopf aufhob, um die Tänzerin anzuſchauen, ſtanden ihre großen Augen voll Thränen.

So, ſo. entgegnete Thereſe mitleidig,deine arme kleine Schweſter iſt geſtorben? Ei, ich habe nichts davon gewußt. Und da machſt du ihr das letzte Kleidchen?

Clara nickte ſtillſchweigend mit dem Kopfe.

Wie alt war denn das Kind?

Sie war zwei Jahre aber ſo lieb ſo lieb

Nun ihr iſt wohl, verſetzte die Andere;aber es thut mir leid für dich, du haſt das Kind gewiß ſehr gern gehabt.

Wie ihr eigenes, ſagte Marie am Fenſter; und unter dem Dunkel des Vorhanges glänzten ihre feuchten Augen hervor.

Einige andere Tänzerinnen in der Nähe, namentlich die blonde Eliſe, welche ihrer Freundin gefolgt war, hatten dieſe Unterredung theilweiſe gehört und traten nun mitleidsvoll näher. Bald war Clara von allen Damen umringt, die ſich im Zimmer befanden, und es war ein eigener Anblick, wie die vorhin noch ſo lachenden Geſichter der jungen luſtigen Tänzerinnen auf das dürftige Todten⸗ hemdchen niederſchauten. Um daſſelbe herum ſtand nun ſo plötz⸗ lich ein lautloſer Kreis, glänzend in Spitzen, Atlas, Silberſtoffen und falſchen Brillanten. Dabei contraſtirte die Stille hier im Zim⸗ mer auffallend mit dem Lärmen in den andern; dort wurde geplau⸗ dert, gelacht, auch wohl ein luſtiges Lied geſungen, und zwiſchen hinein knatterten die Caſtagnetten und hörte man hin und wieder das taktmäßige Auftreten der Füße, wenn die Eine oder die An⸗ dere irgend einen Pas verſuchte.

Aber warum nähſt du ſchwarze Schleifen auf das Kleid?