Schwarze und rothe Schleifen. 25
zes glühte ſie ſo, daß man ihr vorwarf, ſie ſei ungeſchickt und über⸗ mäßig geſchminkt. Ihre Augen waren dunkel und glänzend, der Geſichtsausdruck aber nicht ſehr geiſtvoll; Hände und Füße ließen auch etwas zu wünſchen übrig, woher es denn auch wohl kam, daß es ihr ſchwer wurde, eine graziöſe Stellung anzunehmen, und ſie, obgleich wie geſagt ein ſehr ſchönes Mädchen, doch nie in die erſten Reihen geſtellt wurde.
Clara war von einer mittleren Größe und mit einer Zierlich⸗ keit und Eleganz gewachſen, die Jedermann in Erſtaunen ſetzte. Dabei hatte ſie den kleinſten Fuß, die kleinſte Hand; und ihre Taille, nicht unverhältnißmäßig ſchmal, ſtand zu dem langen und vollen Oberkörper in ſo richtigem Verhältniß, daß das ſchärfſte Kenner⸗ auge in dieſem Körper nur die vollkommenſte Harmonie entdecken mußte. Auch Hals und Kopf paßten vortrefflich zu dem Ganzen; ihr Geſicht war lang, doch nicht ſchmal, die Farbe deſſelben etwas blaß; dabei hatte ſie große Augen und zwiſchen friſchen Lippen glänzend weiße Zähne. Ihr faſt ſchwarzes Haar war wegen ſeiner Fülle der Kummer des Friſeurs; deun Monſieur Fritz war, wie er ſagte, nicht im Stande, irgend eine correcte Friſur damit herzuſtel⸗ len. Wenn wir dabei verſichern, daß dieſes Mädchen mit einer außerordentlichen natürlichen Grazie begabt war, daß keine ih⸗ rer Bewegungen etwas Eckiges hatte, daß ihr Körper und ihre Füße ſchmiegſam und biegſam wie bei keiner Anderen waren, daß ſie den größten Pas mit Leichtigkeit lernte und nach dem erſten Jahr vor allen ihren Colleginnen während des Tanzes auffallend hervortrat, ſo wird man ſich wundern, weßhalb ſie bei dem Corps de Ballet blieb und nicht zur Solotänzerin ausgebildet wurde. Doch hatte das ſeine guten Gründe, und Clara, die, wie wir ſpä⸗ ter ſehen werden, faſt ſchutzlos in der Welt ſtand, dagegen viel Schutz zu verleihen hatte, fand nicht die Zeit, täglich die langwie⸗ rigen Exercitien zu machen, die nothwendig ſind, wenn man es in der Tanzkunſt zu Etwas bringen will. Dabei fürchtete ſie ſich


