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Der Theaterwagen. 17
ihrer kleinen Hand und ſtrich ihr leicht über das Haar, ehe ſie in den Wagen ſtieg.
Schwindelmann drückte den Schlag zu und ſagte zu dem Kut⸗ ſcher:„In's Theater!“ worauf der Wagen davonraſſelte.
Clara hatte ſich leicht in eine Ecke gedrückt und ſprach mit einer ruhigen und ſanften Stimme:„ich kann in der Dunkelheit nicht ſehen, wer von euch da iſt, ich ſage euch aber insgeſammt guten Abend, und es thut mir wahrhaftig leid, daß ihr meinet⸗ wegen ſo eng zuſammenrücken müßt.“
„O, wir ſind das ſchon gewöhnt,“ entgegnete die Tänzerin ihr gegenüber. Und eine Audere verſetzte:„wenn du nur nicht immer ſo furchtbar viel Gepäck mitbrächteſt. Was thuſt du denn heute wieder mit den zwei Paketen?“
„In dem großen ſind meine Tanzröcke,“ erwiderte ſchüchtern das Mädchen,„und in dem kleinen—— ja, darin habe ich eine Arbeit.“
„Eine Arbeit?“ lachte eine Stimme aus der andern Ecke. „Bei deinem Fleiße mußt du am Ende noch reich werden.“
Clara antwortete nur mit einem tiefen Seufzer, und da der Wagen, der bis jetzt auf einer chauſſirten Straße gefahren war, das Pflaſter erreichte, ſo wurde die Converſation plötzlich abge⸗ ſchnitten. Wenige Minuten nachher fuhr Andreas bei einem gro⸗ ßen Gebäude vor und hielt dicht an einer erleuchteten Treppe.
Das Ausſteigen ging wie das Einſteigen vor ſich, nur in um⸗ gekehrter Ordnung; zuerſt empfing Schwindelmann die Pakete und Körbe, dann half er den Eigenthümerinnen ausſteigen. Clara, die zuletzt kam, wurde auch hier von dem Theaterdiener wieder einiger⸗ maßen begünſtigt.„Da Sie zwei Pakete haben,“ ſprach Schwin⸗ delmann,„ſo will ich Ihnen eins hinauftragen.“ Hierauf ſchloß er den Wagen, ſagte dem Kutſcher, er müſſe um neun Uhr wieder kommen und erſtieg hinter den Tänzerinnen die Treppen.
Hackländers Werke. XVI. 2


