Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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18 Zweites Kapitel.

Zweites Kapitel. Schwarze und rothe Schleifen.

Wenige unſerer geneigten Leſerinnen werden ſchon in einer Theatergarderobe geweſen ſein. Von den Leſern gar nicht zu reden;

denn für ſie ſind die Ankleidezimmer, namentlich die des Ballets,

vor, während und nach einer Vorſtellung vollkommen verſchloſſene und unzugängliche Orte, wir wollen nicht ſagen ein verbotenes Paradies, obgleich ſich auch hier wie dort ein Hüter befindet: vor der Balletgarderobe freilich nicht mit flammendem Schwerte, wohl aber mit großem Stock, angehörend einem alten invaliden Por⸗ tier von ziemlich mürriſchem Gemüthe, und auf die Privilegien der Theaterankleidezimmer eiferſüchtig wachend wie ein alter Türke. An ihm ſcheitert alle Beſtechung, und nur wir vermögen es ver⸗ mittelſt der Macht, die uns verliehen, den geneigten Leſer unſicht⸗ bar einzuſchwärzen.

Dieſe Balletgarderobe beſteht aus drei ineinandergehenden großen Zimmern; in jedem befinden ſich mehrere Ankleideſpiegel, rechts und links mit Armleuchtern verſehen, die aus der Wand heraustreten und aus welchen Gasflammen brennen. Dieſe Arm⸗ leuchter ſind zum Drehen eingerichtet, um dem Spiegelglas eine größere oder kleinere Helle zu verleihen; an den Wänden dieſer Zimmer befinden ſich kleine weiß angeſtrichene Käſten, die wie eben⸗ ſoviele Komoden ausſehen, nur daß ſie ſtatt der Schubladen Dop⸗ pelthüren haben. Jedes dieſer Schränkchen iſt mit dem Namen der Tänzerin verſehen, der es angehört, und hier verwahrt ſie die nothwendigen Gegenſtände zum täglichen Gebrauch, die ſie nicht jedesmal mit nach Hauſe nehmen will. Es iſt das wie der feld⸗