Der Theaterwagen. 15
An dem Nachmittage nun, wo unſere Geſchichte beginnt, fuhr der Theaterwagen abermals und ziemlich früh durch die Straßen. Es wurde an dieſem Abend ein neues Ballet gegeben, und das ganze große tanzende Perſonal mußte zuſammengeholt werden. Der Wagen war ſchon ziemlich beſetzt und Schwindelmann trat an den Schlag, um ſich zu überzeugen, daß noch für Jemand Platz da ſei, oder genugſam guter Wille um zuſammenzurücken.
„Wen holen wir noch?“ fragte eine Stimme aus dem Wagen.
„Mamſell Clara,“ antwortete der Theaterdiener.
„Ahl die Prinzeſſin!“ lachte eine andere Tänzerin aus dem Wagen.„Die vornehmen Plätze ſind beſetzt; ſie wird ſich mit einem Rückſitz bequemen müſſen.“
Und eine Dritte fügte hinzu:„ich fürchte, Mamſell Clara wird es übel nehmen, wenn wir ſie einladen, als Sechste bei uns zu ſitzen.“
Schwindelmann konnte unter Umſtänden grob werden, bevor aber dies geſchah, zupfte er ſich ſelbſt an einem ſeiner Ohren, als wenn er ſagen wollte:„mäßige dich.“ Heute that er auch alſo, mäßigte ſich aber nicht, ſondern entgegnete mit ziemlich lauter Stimme:„ſpart doch euer Geſchwätz; wenn Jede von euch auch nur halb ſo zufrieden wäre wie die Clara, ſo brauchte man in der Garderobe ein paar Ankleiderinnen weniger, und wir würden in der halben Zeit fertig. Pfui Teufel! ſo ein Aufheben zu machen! — Wollt ihr oder wollt ihr nicht?“
„Ich habe im Grunde nichts dagegen,“ ſagte lachend eine Stimme aus dem Wagen.
Zwei Andere erwiderten:„ich auch nicht, wenn ſie ſich be⸗ helfen will.“
Und eine Vierte rief:„ich weiß was Neues: die Clara hat ein Verhältniß mit dem Schwindelmann; die wird protegirt,“— ein ſchlechter Witz, über den aber alle Fünf in Ermangelung eines beſſern laut hinaus lachten..


