14 Erſtes Kapitel.
Das geſchieht ſo an vier bis fünf Häuſern nacheinander, und da hiebei der Wagen durch ebenſoviel junge Damen angefüllt wird, ſo tritt Schwindelmann an den Schlag und fragt:„haben wir noch Platz zu Einer oder Zwei, oder müſſen wir heimfahren?“ Er ſetzt auch wohl hinzu:„es wird kalt heute Abend und der alte Andreas möchte früh nach Haus; ihr könnt wohl ein Bischen zu⸗ ſammenrücken.“ Und dann lachen die drinnen meiſtens laut auf, es kreiſcht auch hie und da Eine, die ein wenig an ihre Füße ge⸗ ſtoßen wurde; da aber die Caleſche breit iſt und die Mädchen den alten Andreas gut leiden können, ſo drücken ſie ſich zuſammen und machen noch Platz für Zwei, Drei, ſo daß der Wagen oft mit Acht dahinrollt, nicht mitgerechnet ein paar kleine Kinder, die un⸗ terwegs ebenfalls noch mitgenommen werden, die ſich aber ſehr dünn machen und rechts und links am Schlage ſtehen bleiben müſſen. Die Pakete und Körbe allein verurſachen dem ehrlichen Schwindel⸗ mann einige Verlegenheiten. Wenn es gutes Wetter iſt, weiß er ſich zu helfen; er bepackt alsdann die ganze Decke der Caleſche, ſchiebt dem brummenden Andreas auch zuweilen eins der Paſſagier⸗ ſtücke auf den Sitz, er ſelbſt nimmt nicht ſelten einen großen Korb auf den Kopf, das heißt, wenn es unterdeſſen dunkel geworden iſt, und ſo rollt der Wagen dahin, die Pferde langſam trabend, An⸗ dreas mürriſch und verdrießlich, und die junge weibliche Welt im Innern meiſtens luſtig und heiter und tauſend gute und ſchlechte Witze machend. 4
Dieſe Equipage aber, geneigter Leſer, die du in der Reſidenz wöchentlich mehrere Male zwiſchen vier und fünf Uhr Nachmittags bei dir vorüberrollen ſiehſt, iſt der Theaterwagen, von Leuten mit wenig Witz und viel Behagen auch der Theſpiskarren genannt, ſei⸗ ner Abſtammung nach eine geborene Hofcaleſche, die ſo lange für die Ehrendamen und Ehrenfräulein benützt wurde, bis dieſe koſt⸗ baren Weſen behaupteten, nicht länger mit Ehren darin fahren zu können.


