Der Theaterwagen. 13
ſich bequem an den Riemen deſſelben feſt und ſchlenkert ſanft hin und her; er hat im Gegenſatz zum Kutſcher ein freundliches, ſtets lächelndes Geſicht, und er würde ſeinem Collegen gern ein Wort mittheilen, doch weiß er wohl, daß er von dem da vornen keine Antwort bekommt.
In den entlegeneren Straßen, wohin der Wagen fährt, hält er meiſtens vor den kleinſten, unſcheinbarſten Häuſern. Dort ſpringt der Bediente vom Tritt herab, zieht heftig an einer Klingel, die außen am Hauſe angebracht iſt und wartet alsdaun, während der
alte Kutſcher ſeine Zügel nachläßt, noch ein paar Zoll mehr zuſam⸗
menſinkt und die Peitſche auf den Schenkel aufſtützt. Nachdem die Klingel ertönt, öffnet ſich irgendwo im Haus ein Fenſter, ein Kopf ſieht heraus und es wird herabgerufen:„Gleich, gleich, Schwindel⸗ mann! Ich will nur meinen Kaffee austrinken;“ oder:„ich packe gerade meinen Korb zuſammen.“ Darauf brummt der Kutſcher etwas in den Bart, Schwindelmann aber pfeift eine Melodie und hüpft von einem Fuß auf den anderen, um ſich warm zu machen. Bald nachher hört man Tritte auf der Treppe des kleinen Hauſes; die Thüre öffnet ſich und ein junges Mädchen erſcheint in derſelben, feſt in ein großes Tuch oder einen Mantel gewickelt, während hin⸗ ter ihr eine Schweſter oder eine Mutter ein großes Paket, einen Korb oder dergleichen im Arme hat, welchen Schwindelmann ſogleich übernimmt und in den Wagen befördert. Dann läßt er den Tritt herunter, und wenn der Wagen dicht am Hauſe vorgefahren oder die Straße gerade trocken iſt, ſo hüpft die junge Dame, die unter der Hausthüre ſteht, gewöhnlich mit einem einzigen Sprung in den Wagen. Iſt es aber ſchmutzig oder die Caleſche hat nicht recht herangekonnt, ſo ſagt das Mädchen auf der Hausſchwelle:„Schwin⸗ delmann, ſei artig,“ und dann lacht Schwindelmann, hebt ſie ſo leicht auf, wie vorhin das Paket und befördert ſie mit einer ſchwin⸗ genden Bewegung in den Wagen, ſchließt den Schlag und läßt ſogleich weiter fahren.


