12 Erſtes Kapitel.
wenn auch nicht unmittelbar vor dem Hauſe ſelbſt, iſt der Lärmen nun eine Zeit lang am ſtärkſten. Wenn ſo der ganze Strom aus dem Thore ſtürzt, ſo ſcheint jeden nur die Luſt zu treiben, endlich ins Freie zu kommen; ſind ſie aber draußen, ſo finden ſie ſich gleich wieder in einzelnen Gruppen zuſammen, einer der Schlimmſten gibt den Ton an, und dann ziehen ſie, wie es heißt, nach Hauſe, in Wahrheit aber auf ſo großen Umwegen, daß die Glocken ſchon alle Fünf geſchlagen haben, bis die letzten und wildeſten mit blauen Naſen und krumm gefrorenen Fingern in das warme Zimmer treten wo Mama ihnen den Kaffee aufgehoben hat.
Auf den Straßen und Plätzen iſt es nunmehr wieder ruhiger geworden; wer draußen nichts zu thun hat, bleibt im geheizten Zimmer; zum Spazierengehen und Fahren iſt es zu ſpät, und die Zeit, wo man Geſellſchaften beſucht, noch nicht herangerückt. Es dämmert bereits; der Laternenanzünder mit ſeinem langen Stocke, an welchem oben ein kleines Lichtchen ſich befindet, läuft eilig durch die Straßen, und ſelbſt ernſthafte Vorübergehende unterbrechen zuweilen einen Augenblick ihren Gang, um zuzuſehen, wie die Flamme ſo plötzlich emporſtrahlt. Auch die Läden erleuchten ſich nach und nach, und helles Licht zeigt die ausgelegten Stoffe in doppelt ſchönen Farben und verlockt allenfallſige Käufer.
Um dieſe Zeit, geneigter Leſer, rollt ein Wagen über die Straßen der Stadt, meiſtens durch jene Viertel, wo ſonſt nicht viele Equipagen zu ſehen ſind. Dieſer Wagen, eine breite Glas⸗ caleſche, kommt aus den königlichen Marſtallsgebäuden und iſt ge⸗ wöhnlich beſpannt mit zwei Rappen; auf dem Bock ſitzt ein alter Kutſcher mit weißen Haaren in einen dicken blauen Mantel gehüllt und mit ziemlich mürriſchem Geſicht. Als dieſer Würdige am heu⸗ tigen Tage die Zügel in die Hand nahm, fragte er einen Bedien⸗ ten im blauen Ueberrock, der im Begriff war, hinten aufzuklettern: „Wird Alles geholt?“ worauf dieſer erwiederte:„Alles.“—
So rollt der Wagen dahin, und der Bediente hintenauf hält
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