Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Der Theaterwagen. 11

rend ſie eilig gen Süden fliehen. Auch die Sonne berührt uns mit einem letzten Blick und färbt die Landſchaft roſig und violett.

Das Ende einer langen Straße, in der wir wandeln, führt ins Freie und zeigt, wie holdſelig die Sonne der Erde gute Nacht ſagt. In unnennbar ſüße beruhigende Farben hüllt ſich die Land⸗ ſchaft ein, bevor ſie in Schlummer ſinkt, und wie ein liebendes gute Nacht! zittert der letzte Strahl der ſinkenden Sonne über ſie dahin. Die ſtattlichen Gebäude zu unſerer Rechten empfan⸗ gen dieſen letzten Gruß ſchon kälter und geſetzter; es fallen tiefe ſcharf ausgeprägte Schatten der gegenüberliegenden Häuſer ſchon auf ihre oberen Stockwerke; nur Fries und Dach iſt noch hell be⸗ leuchtet. Dieſe Schatten ſteigen langſam empor, wie eine Schlaf⸗ decke; denn wenn ſie das ganze Haus eingehüllt haben, kommt die Nacht, und es ſchließt ſeine müden Augen. Daß die Sonne nun endlich hinter den Bergen niederſinkt, bemerkt man an einer Gaslaterne, die draußen einſam vor dem Thore ſteht, denn auf ihren Scheiben blitzte noch vor wenig Augenblicken ein helles Licht, ein Licht, das darauf tief röthlich niederſtrahlte und plötzlich ganz verſchwand.

Um vier Uhr Nachmittags und auch noch etwas ſpäter ſind um dieſe Jahreszeit die Straßen einer großen Stadt ziemlich belebt; man beſorgt noch ſeine Gänge vor der einbrechenden Nacht, man ſchließt viele Gewölbe und Läden, und dann haben auch alle Schu⸗ len ihre Thore geöffnet und ausgeſpieen eine Legion kleiner Vagabun⸗ den, die nun in gewiſſer Beziehung Straßen und Plätze ziemlich unſicher machen. Da werden Trottoirs benützt zu Schleifbahnen, die kleinen Burſche faſſen Poſto hinter einander, ihre Torniſter auf dem Rücken und wer zufällig mitten zwiſchen ſie hinein und auf das glatte Eis geräth, wird ohne alle Barmherzigkeit niedergerannt. Was die Schneeballen anbelangt, ſo hat der Himmel bis jetzt ein Einſehen gehabt und gönnte der Jugend noch nicht dieſes Vergnü⸗ gen zum Schaden ihrer Nebenmenſchen. In der NRähe der Schule,