Teil eines Werkes 
15. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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16 Der geheime Agent.

haben zu ſorglos gelebt, Sie haben die Krone wie ein Spielzeug übernommen und durch Eingebungen Anderer bisher wie ein Spiel⸗ zeug behandelt. Man hat Sie überliſtet, indem man Sie glauben machte, nur auf ſolche Art könne das Regiment in Ihrer Hand für das Land ſegensreich wirken nur ſo lange ſeien Sie bei Ihrem Volk ein beliebter Herrſcher, als Sie der Leitung Ihrer Mutter und Ihrer Räthe unbedingt folgen. Glauben Sie mir, jede gewaltſame Maßregel würde man Ihnen, der in gar keiner Verbindung mit ſeinem Volke ſteht, als freventlichen Uebermuth und als unüberlegte Zerſtörungsluſt an allem dem auslegen, was die Herzogin zum Glücke Ihrer Unterthanen gethan. Herzog.

Ich will damit anfangen, ein neues Miniſterium zu ernennen, ich will es aus jüngeren, gut meinenden beliebten Leuten zuſam⸗ menſetzen. Ich will ihnen ſagen: gebt mir Euern Rath, leitet mich auf der ſchwierigen Bahn, bis ich ſelbſt ſicher gehen lerne.

Prinzeſſin.

Sie werden nicht durchdringen, mein Fürſt. Wer wird Ihre Portefeuilles ohne Zuſtimmung Ihrer Mutter annehmen? Ich ſetze den Fall, Sie wären wirklich im Stande, die alten Miniſter zu entfernen, würde dadurch in Ihrer Lage etwas geändert? O hätten Sie einen Freund, der Ihnen kräftig zur Seite ſtünde!

Herzog.

Ach würde mir ein Freund in dieſem Falle nützen, müßte er ſich nicht ſelbſt erſt das Vertrauen des Landes gewinnen, müßte er ſich nicht ſelbſt erſt hineinarbeiten in das Labyrinth von Intriguen,

das mich rings umgibt. Und wo iſt ein Freund? Wie ſelten ha⸗

ben Fürſten wirkliche Freunde und ein ſcheinbarer, ein falſcher Freund, dem ich mich vollkommen anvertraute, wäre noch ſchlimmer für mich. Fände ſich wirklich eine kräftige Hand, die im Stande wäre, das Regiment den jetzigen Machthabern zu entwinden, ſo iſt