Der geheime Agent. 17 zu bedenken, daß das Regieren ſüß iſt; er würde vielleicht die Zü⸗ gel nur in ſeiner Hand behalten. Prinzeſſin. Aber wo ein Ausweg?— Herzog.
Ich wüßte vielleicht einen und möchte Ihren Rath darüber vernehmen. Hören Sie mich. Nehme ich zu meinen Räthen von meinen Unterthanen, welchen ich will, oder berufe ich einen Frem⸗ deu, es wird nichts helfen; er wird ſeine Schwächen haben, man wird dieſe zu benützen wiſſen und mich nur noch feſter umgarnen. Ich will regieren, aber mit Hülfe eines geheimen Agenten, der vollkommen mein Beſtes will, der keinen Beſtechungen zugänglich iſt, für Jedermann unſichtbar, nur von mir gekannt.
Prinzeſſin. Und wo wäre ein ſolches Kleinod zu finden? Herzog.
Nicht unter den lebenden Weſen, aber unſere Phantaſie ſoll ihn ſchaffen. Ich ſpreche gelegentlich aus, Jemand, den ich auf meinen Reiſen kennen gelernt, wolle ſich eine Zeit lang in dieſer Stadt aufhalten. Ich füge bei, daß er einer der gebildetſten, geiſtreichſten und dennoch einer der beſcheidenſten Menſchen ſei, und daß er deßhalb mein Rathgeber, mein Freund werden ſolle. Doch da ich wüßte, wie Viele ſich bemühen werden, dieſen Rath⸗ geber zum Werkzeuge ihres eigenen Ehrgeizes und ihrer Intrignen zu machen, ſo wolle ich, daß er unſichtbar für den ganzen Hof bleibe.
Prinzeſſin.
Ah, ich verſtehe Euer Durchlaucht— eine vortreffliche Idee! Sie ſchaffen ſich eine unſichtbare Macht, die um ſo gefürchteter iſt, gerade weil ſie unſichtbar wirkt und weil die Perſönlichkeit,
in der ſie liegt, Jedermann unzugänglich bleibt. Schon der Glaube Hackländers Werke. XV. 2


