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der Zwerge. 2⁵3
er öffnete ſeinen Ranzen, nahm Nadel und Zwirn heraus und machte den Zwergen durch Mienen verſtändlich, ob vielleicht noch einer von ihnen geflickt ſein wolle, worauf fünf von ihnen freudig in die Höhe ſprangen und ſich zu ihm drängten. Er faßte einen am Aermel, unterſuchte ihm die Jacke, wo er dann fand, daß die⸗ ſer eben einen ſolchen Riß an der Seite hatte, wie der geſtrige auf dem Rücken. Er brachte den kleinen Kerl alſo in die gehörige Lage, und nähte unverdroſſen darauf los. Doch da er heute eben⸗ ſo kleine Hände hatte, wie die Zwerge, ſo ging es mit der Arbeit langſamer als geſtern, und wenn er ſich auch wohl in Acht nahm, damit das Zugenähte nicht wieder aufſpränge, ſo wurde er doch erſt fertig, nachdem ſich der Himmel im Oſten röthete und die Sonne langſam aufßzuſteigen begann.
Nachdem der Zwerg, der heute geflickt worden war, eine Zeit lang ebenſo luſtig im Graſe herum geſprungen, wie der geſtrige, zog auch er einen Goldgulden aus der Taſche und gab ihn dem Schneider. Jetzt gingen ſie wie geſtern zur Zwergenburg zurück, ſtiegen die Wendeltreppe hinauf, kamen durch die wieder leer ge⸗ wordenen Säle, und Philipp legte ſich in ſeine Muſchel und ſchlief bei dem Klange der Harfentöne wieder ein.
Ebenſo erging es dem Schneider in der dritten, vierten und fünften Nacht. Er nahm jedesmal draußen im Wald einen der Hurlemänner vor, und nähte ihm Haut, Unterfutter und Rock auf das Sorgfältigſte zuſammen, erhielt dafür ſeinen Goldgulden und fügte ſich, da es einmal nicht anders war, in das traurige Schick⸗ ſal, im wahren Sinne des Wortes Leibſchneider der Zwerge zu ſein und nicht mehr zu den Seinen zurückkehren zu können. Nur kam es ihm bei dieſen nächtlichen Beſuchen des Tannenwaldes ſon⸗ derbar vor, daß dieſes Jahr der Winter ſo raſch eintrat; denn ſchon in der dritten Nacht war es ſo empfindlich kalt, daß ihm ohne das Feuer der Zwerge die Finger erfroren ſein würden, und doch war es erſt Ende des Monats Auguſt geweſen, als er Aachen verlaſſen. In der vierten Nacht traute er kaum ſeinen Augen, als er ſah, daß die Zweige der Tannenbäume dicht mit Schnee bedeckt waren und vom eiskalten Winde bewegt traurig ſeufzten; ebenſo


