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238 Weihnachtsmärchen.
eine liebe Tochter!“ da dachten ſie vor Entzücken nicht mehr da⸗ ran, wer ſie wäre und wo ſie herkäme, ſondern ſie weinten Freu⸗ denthränen und umarmten ſie auf's Herzlichſte.
Mitten in dieſer Freude dachte Guſtav an ſeinen Freund, den alten Holzſchnitzer und bedauerte, daß er die Stunde verſäumt und ſich nicht eingeſtellt habe. Da blickte er zufällig durch's Fenſter und ſah, wie plötzlich im hellen Mondlicht über einem Hügel, dem Förſterhauſe gegeuüber, ein Mann geſchritten kam, der trug einen großen Korb auf dem Rücken und begann dort oben auszupacken, als wolle er den Thieren im Walde eine Weinachtsbeſcheerung be⸗ reiten. Mit Erſtaunen ſah der junge Jäger, daß er ein kleines niedliches Schloß dort hinſtellte, deſſen zierliche Fenſter ſich plötzlich beleuchteten. Jetzt erhob ſich der Mann wieder und als er nun mit raſchen Schritten gegen das Förſterhaus kam, ſah Guſtav zu ſeiner großen Freude, daß es der Holzſchnitzer war. Doch wer be⸗ ſchreibt ſein Erſtaunen und ſeine Ueberraſchung, als er bemerkte, daß, je weiter ſich ſein alter Freund von dem kleinen Schlößchen droben entfernte, dieſes immer größer und größer und endlich ein ſtattliches Gebäude wurde. Die Feuſter ſtrahlten von Tauſenden von Lichtern, die innen brannten, und vor dem Schloßthor ent⸗ zündeten ſich große Pechfackeln und daneben ſtanden Soldaten mit Bärenmützen und das Gewehr im Arm. Jetzt öffnete der Holz⸗ ſchnitzer die Thür und als er die ſchöne junge Dame erblickte, ver⸗ beugte er ſich tief und umarmte darauf den jungen Jäger, indem er ſagte:„ich ſehe mit Freuden, daß du den böſen Zauber gelöst haſt, ich habe das Meinige gethan und das Elfenholz, das du mir gegeben, auf's Beſte benutzt.“ Dabei zeigte er durch das Fenſter nach dem ſchönen Schloſſe.
Der alte Förſter wußte vor Freude nicht, was er zu all dem ſagen ſollte, und als nun alle den Hügel hinan zu dem neuen prächtigen Schloſſe ſchritten, glaubte er, er träume einen ſüßen Traum. Hier war aber auch Alles ſo ſchön und vortrefflich her⸗


