236 Weihnachtsmärchen.
auf dem Fuchsbau der kleine Tannenbaum ſtand, der aber noch immer nicht in die Höhe wachſen wollte.
Schon waren, ſeit er den alten Holzſchnitzer verlaſſen, einige Monate vergangen und die Blätter der Bäume begannen gelb zu werden und abzufallen; auch fingen ſchon Morgens und Abends an, dichte Nebel den Wald einzuhüllen, und die Jagd beſchäftigte die Jäger den ganzen Tag im Walde. Doch wenn auch Guſtav mit ſinkender Nacht noch ſo ermüdet nach Hauſe kam, ſo unterließ er dennoch nicht, auf die Haide zu gehen und ſich nach ſeinem lie⸗ ben Tannenbäumchen umzuſehen. So ging der November vorüber, es wurde December und die Zeit kam heran, wo die Leute aus der Stadt täglich nach dem Förſterhauſe ſchickten und ſich Tannen⸗ bäume holen ließen, um ſie für den Weihnachtsabend aufzuputzen. Ach, der junge Jäger, dem das Bild der ſchönen Dame im weißen Seidenkleid mehr als je im Herzen lebendig wurde, hoffte auch auf eine Beſcheerung unter dem Tannenbaum; er ging jetzt des Tages mehrmals hinaus auf die Haide und wer beſchreibt ſein Entzücken und ſeine Freude, als er nun endlich drei Tage vor Weihnachten ſah, daß das Bäumchen wenigſtens einen Schuh gewachſen war,
Jetzt verging faſt keine Stunde des Tages, wo er nicht zu. ihm hin eilte, um mit der größten Freude zuzuſehen, wie faſt ſicht⸗ bar Zweige nnd Nadeln größer und größer wurden. So kam der heilige Weihnachtsabend heran und als es anfing dunkel zu werden, ſagte der alte Jäger ſchmunzelnd zu ſeinem Pflegeſohn: er möchte doch ein wenig hinaus in den Wald gehen, um ſich nach dieſem und jenem umzuſchauen. Guſtav, der wohl wußte, daß ihm der gute Förſter, wie immer, auch dieſes Jahr eine kleine Weihnachts⸗ freude machen würde, dachke lächelnd bei ſich: nun, ſo Gott der Herr will, werde auch ich Euch heute Abend eine Beſcheerung zu⸗ führen, die Euch nicht mißfallen wird. Und das Herz voll Erwar⸗ tung, voll Seligkeit und Liebe eilte er hinaus auf die Haide. Der alte Förſter ging jetzt mit ſeiner Schweſter in das Gaſt⸗


