Das Zwergenneſt. 43
dort ein leiſes Lachen oder den Jagdruf: Halloh, halloh! wie ihn d Jäger ausſtoßen, wenn ſie das Wild in den Wäldern vor ſich her jagen.
Nachdem der Schäfer mit mehreren Leuten des Dorfs, die beim Verluſt ihrer Schafe anfangs auf den Hirten ſelbſt Verdacht hatten, viele Vollmondnächte gewacht und dieſe den Spektakel mit eigenen Au⸗ gen geſehen, auch das leiſe Lachen und den Hallohruf mit eigenen Ohren gehört hatten, waren alle darüber übereingekommen, daß es die Wichtelmänner oder Zwerge ſeien, die ſchon ſeit undenklichen Zeiten in den benachbarten Felſen und Gründen wohnten und ſich hier zum Schaden der Menſchen auf ihre eigene Fauſt ein Jagd⸗ vergnügen veranſtalteten. Es war nicht das erſte Mal, daß die Zwerge hervorkamen und den Menſchen durch ihre Spiele und loſe Streiche ſo offenbaren Schaden zufügten. Geſeben hatten ſie alte und auch jüngere Leute ſchon häufig, beſonders die, welche auf die nahe liegenden Orte zum Jahrmarkt gingen oder ſonſt in der Um⸗ gegend Geſchäfte hatten. Dieſe Leute mußten nämlich an gewiſſen Orten, gewöhnlich kleinen grünen Waldthälern, vorbei, die mit friſchem grünem Moos bedeckt, von uralten Bäumen umgeben wa⸗ rren. Stand in der Nitte eines dieſer Plätze ein einzeluer großer Baum, deſſen weit ausgeſtreckte Zweige eine Art von Laubzelt bil⸗ deten, ſo war ſolch ein Ort der Sammelplatz der Wichtelmänner und ſie kamen hier bei dem erſten Strahl des Mondes, der über die Berge ſtieg, ſchaarenweiſe zuſammen, um ihre Tänze auszufüh⸗ ren. Schon oft erzählten alte Jäger, die bei Verfolgung eines Hirſches noch ſpät in der Nacht ſich einem ſolchen Platze genähert, daß ſie die höchſt wunderbaren Spiele der Wichtelmänner geſehen, und wußten von den zierlichen hohen Sprüngen, dem allerliebſten Tanz und den pfeilſchnellen Wendungen der kleinen Zwerge und Zwerginnen nicht genug zu ſagen. Nur mußte ſich ſolch ein un⸗ berufener Zuſchauer ſo ſtill m möglich verhalten und gut verbor⸗ gen ſein, damit ihn das ſcharfe Auge der Zwerge nicht erſpähte,


