34 Schloß Schweigern. Thränen nochmals an die Bruſt und trat über die Grenze von Thal Schweigern ihrem Gemahl entgegen, ein Schritt, der von dem ganzen Hofſtaat mit einem lauten Ausruf des Erſtaunens be⸗ gleitet war; denn Alle hatten geglaubt, wenn die Prinzeſſin die ſtumme Geſellſchaft drüben erſt recht anſähe, würde ſie ihren Ent⸗ ſchluß ſchon ändern.
Kaum hatte die Prinzeſſin ihrem Gemahl die Hand gereicht, als ſich ein großes Wunder begab, indem ſie durchaus nicht ſtumm geworden war, ſondern in deutlichen klaren Worten ihre herzliche Freude über ihr Glück kund that. Den Ehrendamen, die der Prinzeſſin folgten, und dem Troß der Kammerjungfern ging es nicht ſo gut; denn ſo ſehr ſich dieſe auch bemühten, den Zurückgebliebenen ihre beſten Grüße in die Heimath mitzugeben, ſo konnte doch keine der⸗ ſelben einen Laut hervorbringen und ihre komiſchen Anſtrengungen zu ſprechen, brachten auf beiden Seiten trotz des ſchmerzlichen Abſchieds einige Fröhlichkeit hervor.
Der König, ſehr erfreut und entzückt, daß die Prinzeſſin nicht
die Sprache verloren, ertheilte ihr nochmals aus der Entfernung ſeinen Segen und zog zufriedener von dannen.
Indeſſen kehrte mit der Ankunft der Prinzeſſin in Schloß Schweigern ein neues fröhliches Leben dort ein. Es war, als ſei die Luft um Feld und Bach würziger geworden und als blühten die Blumen mit verdoppelter Pracht. Allen, beſonders dem Gra⸗ fen, that es unendlich wohl, wieder eine menſchliche Stimme zu hören und beſonders die der Prinzeſſin, die ſo ſanft und melodiſch war, daß Jedem, der ſie hörte, das Herz vor Frende erzitterte.
So lebte das edle Paar glücklich und vergnügt in ihrer Ein⸗ ſamkeit, und die Beſchäftigungen im Park, die der Graf früher
allein verſah, theilte er jetzt mit der Prinzeſſin, unter deren Hand Alles ſchöner und herrlicher gedieh. Auch verſchmähte ſie es nicht, mit ihm hinauszureiten in den Wald und dem luſtigen Springen der Hirſche und Rehe zuzuſehen, die bei ihrem Erſcheinen zutraulich


